332. Text_Gewohnheiten

Standard

Liebe Blogbesucher!

Als im März 2020 der erste Lockdown war und ich erstmals in meinem Berufsleben im Homeoffice, habe ich es ganz bewusst genossen, in der Früh nach dem Frühstück auf die Terrasse zu gehen, einen tiefen Atemzug zu machen und es als angenehm zu empfinden, nicht sofort nach den nötigen Handgriffen Anziehen und Körperpflege ins Auto zu springen und 16 Kilometer zur Arbeitsstelle zu fahren, sondern Zeit zu haben, mich an den Sonnenstrahlen zu erfreuen, die ersten Pflänzchen nach der langen Winterpause sprießen zu sehen.
Ich habe bewusst die „geschenkte“ Zeit genutzt, um innezuhalten.

Nun bin ich seit 7 Monaten erneut im Homeoffice und es ist Gewohnheit geworden, nicht in die Arbeit fahren zu müssen.
Aber ich habe „verlernt“, das Neue, das Entstresste wirklich bewusst wahrzunehmen.

Die Routine hat sich breitgemacht: aufstehen, Körperpflege, Frühstück machen, in den 1. Stock ins Arbeitzimmer gehen, Computer einschalten … arbeiten.

Und heute war dieser Gedanke plötzlich wieder da, wie ich es voriges Jahr genossen habe, dass ich hinausgegangen bin, dass ich Energie gesammelt habe.
Und ich trat hinaus, spürte die Sonnenstrahlen, atmete die noch frische Morgenluft ein, hörte die Vögel zwitschern, sah die blühenden Blumen und Sträucher.

Mir ist in der letzten Zeit aufgefallen, dass ich mir im HO viel weniger Pausen gönne.
Im Büro stand ich immer wieder auf, plauderte mit Kollegen, ging mittags mit einer Kollegin Mittagessen besorgen.

Lag es daran, dass man mit dem Einbuchen ins System das Gefühl hatte „Ich bin nachweislich in der Arbeit“ und im HO sorgt man für dieses Gefühl, indem man ständig hinter dem Kastel sitzt?
An der Schraube muss ich noch drehen.
Noch dazu in meiner Situation. Denn was kann mir noch passieren als die Aussicht, am Ende des Jahres keinen Job mehr zu haben?

Auch im Privatleben ist immer wieder spürbar, wie selbstverständlich wir früher Familientreffen genommen haben, Termine, die mit Freunden ausgemacht wurden, haben gehalten, so nicht jemand krank wurde.
Jetzt hanteln wir uns von einem Lockdown zum nächsten.
Wenn man sich heutzutage bei einem Treffen verabschiedet, weiß man nicht sicher, wann man einander wieder sehen kann.
Es war Gewohnheit, Freunde oder Familie zu treffen, in ein Lokal zu gehen, bei einem Wochenendausflug irgendwo einzukehren, eine Reise zu planen.
Es war selbstverständlich.
Wird diese Gewohnheit je wiederkehren oder werden wir mit neuen Gewohnheiten leben und uns an das „alte Leben“ nicht mehr erinnern?









»

  1. Erinnern werden wir uns auf jeden Fall – so, wie wir uns an vieles was schön war in unserem Leben erinnern. Aber so unbedarft und locker werden wir nicht mehr sein weil wir W I S S E N was geschehen kann. Das, was wir jetzt erleben hätten wir doch nicht für möglich gehalten ‚ich jedenfalls nicht‘

    • Liebe Christel! Erinnern werden wir uns bestimmt. Aber wird dieses Erinnern nur ein Gedankenspiel sein oder werden wir das Erinnern auch wieder in Taten umsetzen? Werden wir uns z. B. nur erinnern, dass wir Menschen umarmt haben oder werden wir es, wenn es wieder möglich ist, auch wieder machen? Oder werden wir es dann als selbstverständlich ansehen, dass wir „auf Distanz“ bleiben, weil wir es monatelang so eingelernt haben? Oder werden wir manche Dinge dann ganz bewusst und als Geschenk wahrnehmen, weil wir wissen, wie zerbrechlich diese „Sicherheiten“ sind?

  2. Ich schaue immer mal vorbei in der Hoffnung, dass Du etwas geschrieben hast. Ich hoffe sehr dass es hier mal Neuigkeiten gibt und hoffentlich ganz positive.
    Alles Liebe für Dich. 🙋🏼‍♀️

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s