Archiv für den Monat November 2019

298. Text_Dies und das

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Liebe Blogbesucher!

Die Tage schreiten voran, manche von ihnen bringen schöne und manche herausfordernde Momente.
Anfang letzter Woche hat mich meine Schmeißfliege, durch eine Situation angetriggert, wieder einmal ordentlich in den Fängen gehabt.
Wie wild sauste sie durch mein Hirn, fütterte mich vielen negativen Gedanken, Anschuldigungen … es fühlte sich ganz und gar nicht gut an.
Jetzt hab ich mir endlich ein Buch, das schon lange auf meiner Wunschliste stand, endlich gekauft: „Du bist nicht, was du denkst“.
Ich habe schon zu lesen begonnen und kann mit den dort entwickelten Bildern sehr gut an mir arbeiten.
Wäre doch gelacht, wenn ich dieser Schmeißfliege nicht beikommen könnte.

Unser Trainingsprogramm läuft gut, wir sind 3 Mal die Woche im Fitnessstudio.
Meine Waage hat diesen Umstand und den, dass wir bewusster und gesünder essen, 3 Wochen lang die kalte Schulter gezeigt und mir das immer gleiche (Un)Gewicht gezeigt.
Heute plötzlich hatte sie ein Einsehen und mir ein um 1,6 Kilo leichteres Gewicht präsentiert.
Na geht doch.
Ich hab auch den Eindruck, dass sich an der Silhouette meines Körpers was verändert – das kann natürlich auch nur Einbildung sein, aber es motiviert (auch wenn’s vielleicht nur ein Placebo-Gedanke sein sollte).
Und na klar geht da noch einiges zu optimieren, aber da muss ich ein wenig geduldig sein.
Ich würde es schon als Erfolg verbuchen, wenn ich auf unsere Reise in den Isaan und nach Siem Reap im Februar zwei Sommerkurzhosen mitnehmen könnte, die mir zuletzt vor 2 Jahren passten.
Mal sehen.

Großtochter war im Spital für die Geburt anmelden. Alles im grünen Bereich, das Kind hat angeblich 2600 Gramm und am Ultraschall sah man auch schon Haare.
Wahnsinn, wie sich die Technik entwickelt hat.
Großtochter hat den Eindruck, dass das Kind vor dem errechneten Geburtstermin kommen wird, da es schon so auf den Muttermund drückt.
Also wir stehen Gewehr bei Fuß, wenn der Anruf kommt, dass wir mein 4-jähriges Enkelkind betreuen sollen, während sie mit Kind Nummer 2 im Spital liegt.

Kleintochter war gestern mit uns trainieren und hat uns ordentlich rangenommen und neue Übungen mit der Kurzhantel gezeigt.
Das spüre ich heute in den Oberarmen und im Brustbereich bei der Achsel.
Kleintochter meint, das wäre ein gutes Zeichen.
Nachher war sie noch bei den vis-a-vis lebenden Großeltern und hat bei ihrer Rückkehr erzählt, dass sie sich von ihnen was zu Weihnachten gewünscht hat.
Sie möchte gerne mit den beiden eine Kulturveranstaltung (Theater, Oper) besuchen und die Großeltern sollen aussuchen, welche Veranstaltung das sein soll.
Ich meinte: Und was, wenn Opa sich eine 4-stündige Wagner-Oper aussucht?
Sie: Auch egal, ich möchte das mit ihnen erleben.
Die Großeltern, sagt sie, waren ganz erstaunt, denn sie dachten, Kleintochter würde sich Geld wünschen.
Mir wird ganz warm ums Herz, wenn ich an diesen Wunsch meiner Tochter denke.
Es zeigt, wie wichtig ihr Familie ist.
Heute hatte Kleintochter auch eine wichtige schwere Prüfung, die sie schon einmal nicht geschafft hat.
Und heute hat sie 100 % der Punkte und damit ein Sehr gut erreicht.
Große Freude auf ihrer und meiner Seite. 🙂

Herzensglück und mir geht es auch noch immer sehr, sehr, sehr gut miteinander.
Erst gestern meinte er: Ich bin so glücklich, dich zur Frau zu haben.
Wir genießen unsere Aktiv-Momente beim Italienisch-Lernen, Trainieren, Yogalates, Essengehen mit Freunden, bei Konzerten, beim Weihnachtsgebäck backen, beim miteinander den Garten winterfit Machen …

Es grüßt euch eine herzensglückliche
Patentsocke

 

297. Text_Toughe Frauen

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Liebe Blogbesucher!

Kleintochters altes Auto, das sie ihrem Freund vor einem Jahr als Führerscheinneuling um die Kosten der nötigen Reparatur abgekauft hatte, hat vor Kurzem den Geist aufgegeben.
Die Werkstatt sagt, dass die Kosten, um es wieder in Gang zu bringen und die Verkehrszulassungsplakette auch zu bekommen, so hoch sind, dass sie den Wert des Autos übersteigen.
Kleintochter hat das Auto um sehr billiges Geld inseriert und ein Interessent, der es nun ausschlachten wird, hat es gestern gekauft.
Davor musste es aber noch aus der Werkstatt weggeschafft werden.
Und da es nicht mehr alleine fahren konnte (Kupplung kaputt), musste es abgeschleppt werden.
Vorgestern erfolgte der Anruf, ob ich sie mit meinen Auto abschleppen kann.
Ich habe zugesagt.
Danach kam dann das Lampenfieber, ob wir beide das auch schaffen.
Kleintochter hat noch Abschleppseil gekauft – gleich zwei Stück – und ich denk mir noch: Sie ist aber eine Sicherheitsdenkerin – muss sie von mir haben. 😉
Treffpunkt bei der Werkstatt: Von einer viel befahrenen Straße muss ich rückwärts in eine enge Hauseinfahrt hineintauchen – grade so breit wie das Auto und ein daneben mit dem Bauch an die Karosserie anstoßender Mensch – also wirklich eng!

Ihr Auto wurde vom Mechaniker an meines gehängt – jetzt weiß ich auch, wo ich meinen Abschlepphaken im Auto habe. 😉
Und los ging es.
Raus und gleich darauf auf eine noch viel stärker befahrene 4-spurige Straße.
Die Dunkelheit setzt auch ein.
Kleintochter hat die geniale Idee, mich anzurufen und  – wir beide im Freisprechmodus – mit mir zu reden. So kann ich ihr sagen, ob wir die Kreuzung noch übersetzen oder ob ich bremse.
Es geht einige Kilometer gut und dann reißt das Seil.
Wir zwar auf der langsamsten Spur, aber mitten im Abendverkehr.
Natürlich gibt es dann einige Autofahrer, die zwar an der schon die ganze Zeit leuchtenden Warnblinkanlage ersehen können, dass hier ein Auto abgeschleppt wird, aber dennoch ihren Unmut, dass sie jetzt 2 Minuten ihrer wertvollen Zeit verlieren, mit einem Hupkonzert kundtun möchten.
Davon lassen wir uns nicht beeindrucken, holen das 2. Seil hervor, anhängen und weiter geht es.
Wieder vergehen einige Kilometer, immer konzentriert, dass das Seil gespannt bleibt, dass wir niemanden zu sehr behindern …
3 Kilometer vor dem Ziel dann an einer Abbiegekreuzung versagt der Karabinerhaken und gibt das Seil frei.
Kleintochter steht mit ihrem havarierten Auto mitten auf der Kreuzung.
Ein Mann zwängt sich mit seinem Auto an ihrem vorbei, hubt, gestikuliert, um dann neben mir stehenzubleiben, die gerade das Seil vom Boden aufklaubt, und anfängt, beim heruntergelassenen Fenster wüst zu schimpfen.
Ich hab ihn angesehen und gemeint: „Sie können sich Ihre Kräfte für Beschimpfungen sparen und diese stattdessen einsetzen, um 2 Frauen in einer Notlage behilflich zu sein.“
Ui, da war das Fenster schnell wieder oben und er fuhr weiter.

Wir haben es dann bis zum Haus von Kleintochters Freund geschafft.
Beim Einbiegen in die wirklich enge Gasse, an deren Eck auch noch ein Auto geparkt war, mussten wir einen solchen Winkel verwenden, dass Kleintochter auf das Seil fuhr: Nichts geht mehr.
Ich steige aus und versuche, das Auto herunterzuschieben, aber da es ein wenig bergauf geht, schaffe ich das nicht.
Da kommt ein nachfolgender Autofahrer zu Hilfe und taucht mit mir an.
Verabschiedet sich, fährt weiter.
Noch ein Stückchen Weg: Zentimeter für Zentimeter an dem parkenden Auto vorbeigeschoben, dann lenkt Kleintochter ihr Auto Richtung Gehsteig.
Wir bleiben stehen.
Ich schiebe sie auf der ebenen Straße noch ein Stück nach hinten.
Geschafft!
Das Auto steht abgestellt, als ob es mit eigener Motokraft eingeparkt worden wäre.

Gestern hat sie es verkauft, heute abgemeldet.
Sie meint, sie ist nicht allzu traurig, denn es wären ja auch Fixkosten, die sie sich nun erspart.

Auf meiner Heimfahrt gehe ich die letzte Stunde nochmal im Geist durch:
Alles bravourös gemeistert, nicht nervös machen lassen, Kleintochter super reagiert.
Ja, wir waren echt tough!

Es grüßt euch eine
herzensglückliche Patentsocke

 

 

 

 

296. Text_Metamorphose

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Liebe Blogbesucher!

Wie doch eine einzige Bemerkung etwas in Gang setzen kann.
Wechseljahre und Tabletteneinnahme haben bewirkt, dass ich (zu) viel Fett auf den Rippen habe.

Ich mag schon an keinem Spiegel mehr vorbeigehen, habe keine Freude beim Kleiderkauf, da mich die Kleidergröße, die ich wählen muss, frustriert.
Seit Monaten schwanke ich zwischen: „Ich gefalle mir gar nicht“ und „Was zählt, sind die inneren Werte“, „Die Tabletten lagern nun mal Wasser ein, wenn ich sie nicht einnehme, wäre ich dann bald sehr schlank, weil nur mehr totes Gerippe“ …

Nun haben Herzensglück und ich ja bereits mit Yogalates eine Bewegungsaktion gesetzt. Und die lässt uns merken, dass unsere Beweglichkeit sehr …. naja ist.
Dabei bin ich ohnehin noch ein Gummimensch, denn ich kann im Sitzen bei gestreckten Beinen meine Zehen umfassen, im Stehen komme ich bei gebeugtem Rücken mit den Handflächen auf den Boden …
Aber ich bemerke bei einigen Übungen, dass einfach der Bauch im Weg ist.

Und dann kam der Fernsehabend letzten Donnerstag, bei dem Herzensglück beim Erscheinen einer Schauspielerin als Studiogast meinte: „Das ist schon eine sehr schöne Frau“.
Ich war echt sprachlos, denn ich finde die Frau aussehensmäßig jetzt nicht gerade den Burner, aber Geschmäcker sind halt verschieden.
Ich habe mich zu ihm gewandt und gesagt: „Das schockiert mich jetzt echt. DIE gefällt dir?“
Herzensglück: „Na die hat schon eine tolle Figur“.

Rums …. und in mir zerbrachen alle mühsam hochgehaltenen Argumente, warum ich halt so aussehe, wie ich aussehe.
Und plötzlich ging es nicht nur um meine zu viel vorhandenen Fettreserven, sondern auch um meine hässlich eingezogene Narbe auf der Brust und dass die operierte Brust überhaupt durch die Bestrahlung nun sichtbar kleiner ist als die andere.
Eine Nacht lang kämpfte ich mit mir, kämpfte mit allen abwertenden, negativen, frustrierenden Gedanken.
Am Morgen, als Herzensglück mich wie immer in den Arm nehmen wollte, damit wir so noch  – mein Kopf auf seiner Brust – ein wenig in den Tag hineinkuscheln, brach es aus mir heraus.
Ich fing haltlos zu weinen an, für allen Frust war Tür und Tor geöffnet.
Ich sprach schluchzend laut aus, dass ich meinen Körper nicht mehr mag.
Dass ich, als ich einmal das Statement einer Frau mit Brustkrebsnarbe las „Ich bin stolz darauf, denn sie zeigt, dass ich überlebt habe“,  mir diese Sichtweise zu eigen machen wollte.
Aber dass ich sie ganz innen drinnen einfach nur hässlich finde.
Dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich mit meinem Körper umgehen soll.
Versuche ich weniger zu essen (Der Grundumsatz ändert sich  im Wechsel: OT Gynäkologe), werde ich zittrig, fahrig, unkonzentriert und launisch.
Versuche ich es mit Laufen, lässt mein leichtes Asthma mich schnell kurzatmig werden.
Gedanken an „Dort gehen wir zu Fuß hin“ lassen mich erschaudern, weil ich weiß, dass ich einige Hitzeanfälle auf dem Weg habe und am Ziel durchschwitzt bin und das Gefühl habe, zu stinken.
Ich weiß einfach nicht, wo ich ansetzen kann.
Ich bin unglücklich mit meinem Aussehen.

Herzensglück nahm mich in den Arm und meinte, das er mich liebt wie ich bin.
Und ja, wir haben beide an Gewicht zugelegt und wir haben ja schon angefangen, etwas mehr Beweglichkeit in unseren Alltag zu bekommen.
Er fragte, wie er mich unterstützen kann, denn er fühle sich gerade so hilflos.

Und dann kommt das Thema auf, das wir schon einige Male angesprochen haben, aber nie in die Tat umsetzten: Fitness trainieren im Studio.
Kleintochter geht dort schon seit 1,5 Jahren hin, versuchte immer, uns zu motivieren, bot mir sogar an, dass ich mitgehen könnte, wenn sie einen Gratisgutschein bekommen hatte.
Und dann haben wir einfach Nägel mit Köpfen gemacht und sind zu dem Studio hingegangen, Tagestraining machen (die Kosten bekommt man zurück, wenn man Mitglied wird) und uns einen Eindruck verschaffen, ob uns das taugt.
Ich mag keine Studios, in denen die gertenschlanken Mädels einen mit schiefem Blick beäugen, wenn man nicht mit Modelfigut ausgestattet trainiert, ich mag keine bizepsgestählten Männer, die ständig in den Spiegel schauen, ob der Muskel eh genug hervortritt.
Ich will „Normalos“ wie mich.
Und genau das Publikum ist dort.
Die ganze Atmosphäre ist angenehm: sauber, moderne Geräte, wenige Leute, Einrichtung reduziert auf das Notwendigste …. und günstig.
Herzensglück und ich waren nun bereits 2 Mal dort (von zu Hause sind wir in 6 Gehminuten vor Ort), wir machen Cardiotraining und Krafttraining an den Geräten.
Wir merken schon, dass die Musklen beansprucht werden, weil sie sich so 1–2 Tage später melden, aber kein Muskelkater.
Kleintochter freut sich, da sie ab und zu mit uns trainieren gehen kann.
Sie gab uns auch Tipps (sie ist ja professionell im Badmintonverband) zum richtigen Trainingsaufbau und -ablauf.

Und es ist ein zufriedenstellendes Gefühl, wenn ich dort nach 90 Minuten hinausgehe und weiß: Ich hab etwas für mich getan!

So hat das abolute Frusttief mit dem schonungslosen Blick auf das, was mich stört, dazu geführt, dass ich etwas an dem ändere, an dem ich etwas ändern kann.
Ich habe mich und meine Situation angenommen, wie sie gerade sind, und bin aktiv geworden.

Liebe Grüße von einer herzensglücklichen
Patentsocke