Archiv für den Monat April 2018

263. Text_Wieder zurück

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Liebe Blogbesucher!

Gute 4 Wochen waren wir auf Reise.
Eine Reise, die uns viele verschiedene, interessante Eindrücke und Begegnungen beschert hat.
Es war eine Reise in teilweise andere Lebenswelten.

Und sie lässt mich bzgl. des Landes Vietnam sehr zwiespältig zurück.
Einerseits haben wir viele wunderschöne Landschaften gesehen, sehr nette Begegnungen mit hilfsbereiten. herzlichen Menschen gehabt.
Und da gab es auch die Momente, in denen wir mit den harten Realitäten des Landes und seiner Traditionen konfrontiert waren.

Zum Beispiel komme ich mit dem Umgang mit Tieren dort gar nicht zurecht.
Dass Hunde und Katzen dort gegessen werden, wusste ich schon.
Aber in einer Stadt wie Hanoi auf der einen Straßenseite künstlerisch gestaltete Hauswände zu sehen, vor denen sich Menschen in allerlei Posen abbilden lassen und gegenüber liegt auf einer Theke ein Hund, der gegrillt wurde und von dem schon ein paar Scheiben abgeschnitten wurden.
Da prallen für mich Welten aufeinander.
Hunde in viel zu kleinen Käfigen.
Ein strangulierter Hund an einer Haustüre, der im Laufe des Tages auch noch als Speise dient.
Das Land ist laut.
Der Verkehr unbeschreiblich. Hunderte Mopeds bevölkern die Straßen, alle motorisierten Verkehrsteilnehmer hupen, um auf sich aufmerksam zu machen.
Die Menschen lieben das Karaoke-Singen.
Vor allem an den Wochenenden (Freitag bis Sonntag) werden in den Straßen einfach Plastiksessel und Tische aufgestellt, dazu eine riesengroße Anlage,  und schon wird die ganze Umgebung beschallt.
Ein mit der Kultur Vertrauter meinte, dass  diese Lautstärke für die Menschen Freiheit und Sicherheit bedeutet. Wenn man sich verstecken muss vor Feinden, dann ist man leise, um nicht aufzufallen, aber wenn man nichts zu befürchten hat, dann kann man laut sein. Das ist Freiheit.

Wir haben wunderschöen Landschaften gesehen und trubelige Großstädte wie Hanoi und Saigon erlebt.
Wir sind Menschen begegnet, die einen in ihren Laden ziehen, damit man nur ja etwas kauft, die einen permanent ansprechen, keine Ruhe lassen, kein Nein akzeptieren, bis man wirklich schon unhöflich wird.
Man sitzt in einem Lokal straßenseitig und es bauen sich Verkäufer vor einem auf und reden auf einen ein, präsentieren ihre Waren und selbst wenn man Nein sagt und deutet und dann schon gar nicht mehr reagiert, dauert es  lange, bis sie weiterziehen.
Menschen, die einen unbedingt irgendwohin fahren wollen.
Und dann haben wir wieder Menschen getroffen, die einen ohne Hintergedanken angesprochen haben und helfen wollten, wenn man nach dem Weg gesucht hat.
Ein Mann, der uns uneigennützig geholfen hat, als wir mitten auf der Landstraße, knapp vor einem 10-Häuser-Dorf, ein Loch im Mopedreifen hatten.

Der Hotelmanager, der nach den oberflächlich höflichen Worten sein Dienst-Namensschild abnimmt und  sehr persönlich erzählt. Z. B. vom Massaker der Roten Khmer in seinem Dorf, dem er und seine Eltern nur entkommen sind. weil sie knapp davor das Dorf verlassen haben, da seine Eltern so eine Tat kommen sehen haben. Bis auf 2 Personen hat keiner des Dorfes überlebt.
Und er erzählt, wie sie damit umgehen lernten, dass alle Nachbarn und Freunde tot waren, als sie wieder zurückkamen.

Ich kann nun die Aussage meines Herzensglücks verstehen, der meinte, es kommt bei seinen Reisen in Vietnam immer der Punkt, wo er genug vom Land hat und sich denkt, er hat damit abgeschlossen. Und wenn er dann einige Zeit wieder zu Hause ist, dann kommt der Gedanke, wieder in dieses Land zu reisen.
Es stößt einen ab und zieht einen auch an.
Mir geht es auch so.

***

Nun hat mich das Arbeitsleben wieder.
Der Frühling ist eingekehrt und ich kann wieder im Garten arbeiten.
Kleintochter hat das für sie richtige Studium gefunden und ist ganz motiviert.
Herzensglück hat den Roller aktiviert und wir werden an den schönen Tagen wieder kleine Ausflüge in die Umgebung machen.

Und Mitte Mai steht dann unser 4-Tage-Aufenthalt in Liverpool an.

Und das Allerschönste ist: Wir haben die 4 Wochen, in denen wir permanent beeinander waren, als sehr angenehm empfunden. Wir haben wirklich den gleichen Rhythmus.
Und in mir – und das ist auch bei meinem Herzensglück so – ist ein sehr tiefes inniges Gefühl der Liebe. Schön ist das.

Es grüßt auch eine herzensglückliche Patentsocke