Archiv für den Monat November 2017

260. Text_6 Jahre!

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Liebe Blogbesucher!

Ich sitze im Wartebereich des Spitals und wartet darauf, aufgerufen zu werden und das Ergebnis der Biopsie zu erfahren.
Innerlich ist mir irgendwie schon bewusst, wie der Befund lauten wird.
Spätestens als der Arzt, der die Biospsie durchgeführt hatte, mich gefragt hat, ob ich bereits den Befundbesprechungstermin hätte und – als ich das bejahte – noch hinzufügte: „Ich möchte meinen Kollegen ja nicht vorgreifen, aber für mich sieht es sehr danach aus, dass das operiert gehört.“
Ich erinnere mich, wie ich damals  am Gang des Spitals alle Informationen zum Thema Brustkrebs zusammengesammelt habe und mich zu Hause daran gemacht hatte, mir alle Informationen zu holen.
Ich wollte informiert sein, wenn ich den Befund bekomme, wollte wissen, welche Fragen ich stellen möchte, wollte herausfinden, was mir wichtig ist zu erfahren …

Das hat auch Unmut hervorgerufen.
Aussagen wie „Du weißt doch noch gar nicht, ob es wirklich so ist, mach dich damit doch nicht jetzt schon narrisch“ hielten mich aber nicht davon ab, meinen Weg zu gehen.
Es ging um mich und wie ich mit der Situation am besten umgehen kann.

Und nun sitze ich hier, beobachte, wie Frauen aus der Türe kommen,  andere hineingehen.
Bald werde auch ich da hineingehen. Und dann wird vermutlich alles anders sein.
Ein paar Minuten trennen mich noch von diesem Moment.
Ich merke, wie mein Handy vibriert, schaue auf das Display und sehe, dass mein ältester Sohn anruft. Ich verziehe mich in eine ruhige Ecke, hebe ab und höre, wie er sagt: „Mama, wir sind im Spital, schon im Kreißsaal, dein Enkelkind kommt wohl bald auf die Welt.“
Ich wünsche ihnen alles Gute, er verspricht, sich zu melden, sobald das Baby auf der Welt ist.
Ich gehe zurück zu meinem Warteplatz.
Zwei Welten: Ich stehe kurz vor einer ziemlich bösen Diagnose, einem neuen Lebensabschnitt.
Mein Sohn auch: Nur sein Lebensabschnitt offeriert Freude und neues Leben.
Und in mir nagt der Zweifel, wie ich es meinen Kindern beibringen soll.
Außer meiner Jüngsten, die meine diversen Untersuchungen mitbekommen hat und mit der ich über das mögliche Endergebnis geredet habe, weiß keines meiner Kinder, was seit Wochen von Untersuchung zu Untersuchung näher rückt.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, es ihnen zu sagen?
Vor allem jetzt, wo alle ganz freudig-aufgeregt sind wegen des neuen Familienmitglieds.
Wie kann ich nur ihre Freude zerstören?
Ich spiele mit dem Gedanken, es ihnen gar nicht zu sagen, aber ich möchte andererseits auch nicht, dass sie es über drei Ecken von irgendjemandem erfahren.

Mein Name ertönt, ich betrete das Untersuchungszimmer.
Eine Assistentin sitzt hinter ihrem Computer, eine Ärztin vis à vis von ihr, schaut auf, gibt mir die Hand und als ich mich gesetzt habe, sagt sie: Frau XY, es ist, wie wir befürchtet haben. Der Tumor ist bösartig. Wir müssen operieren.“
„Ich habe bereits ein paar Skitage mit meiner Jüngsten für Anfang des Jahres gebucht, auf die sie sich sehr freut. Können wir danach operieren?“
„Ihr Knoten ist recht klein, ich frag einmal bei der Oberärztin nach.“
Das, was ich vom Telefonat mitbekomme, lässt mich schon erahnen, dass die Oberärztin so bald als möglich operieren möchte.
„Ok, wenn es nicht nach den Skitagen geht, dann geben Sie mir bitte den nächstmöglichen Termin.“
Die Ärztin schlägt ein großes Buch auf, in dem alle OPs eingetragen sind, fährt mit dem Finger die Spalten entlang und schlägt dann einen Tag vor.
Ich schreibe ihn mir auf, frage sie alles, was ich wissen möchte.
Als sie alles beantwortet hat, schaut sie mich an und meint: Sie können aber schon weinen, wir können damit umgehen.“
Ich schaue sie verwirrt an. Was will sie von mir? Mir ist nicht nach weinen.
Der Boden ist noch unter meinen Füßen. Ich habe gerade nur die Bestätigung dessen bekommen, was ich seit Wochen ahne.
Ich bekomme die Überweisung zur OP-Freigabe und für die Blutabnahme und die Aufnahmemappe.
Ich verlasse mit einer Menge an Papierkram das Besprechungszimmer, am Gang sehen mich die anderen wartenden Frauen neugierig an.
Ich begebe mich zur Blutabnahme, dann weiter zur OP-Freigabe.
Aus dem Spital, mit all den anderen Menschen um mich, möchte ich niemanden anrufen, um zu sagen, dass ich Krebs habe. Das muss keiner der dort Sitzenden wissen.
Als alle Untersuchungen abgeschlossen sind, verlasse ich das Spital, sage in der Arbeit Bescheid, dass ich nicht kommen werde, fahre zum Supermarkt. Erst dort rufe ich im Auto sitzend meine Mutter an und sage ihr, was los ist.
Meiner Jüngsten sage ich zu Hause, als sie von der Schule kommt, dass ich in einer guten Woche operiert werde. Der Tag spürt sich nicht anders an als sonst: Nur, dass ich unter der Woche zu Hause und nicht in der Arbeit bin.
Mein Sohn meldet sich nicht mehr, ich gehe schlafen, vermute, dass ich einen unruhigen, leichten Schlaf haben werde.
Aber ich schlafe tief und fest und bekomme deshalb auch nicht mit, dass mein Sohn mir knapp nach Mitternacht eine SMS schickt, in der er die Geburt meines 1. Enkelkindes verkündet.
Ich wache vom Weckerläuten auf, blicke aufs Handy und sehe die Nachricht.

Und erst jetzt: Jetzt weine ich.
Und ich sage zu mir selbst: Ich möchte dieses Kind großwerden sehen.

Morgen feiert dieses Kind seinen 6. Geburtstag. 🙂

 

 

259. Text_Lebenszeichen

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Ich lebe noch.
Und das Leben ist nach wie vor schön und interessant und bietet viele Begegnungen und Erfahrungen und viel Liebe und Harmonie und Lachen und Fröhlichkeit und und und.

Kleintochter orientiert sich neu:
Das gewählte Studium ist doch nicht das, was sie sich darunter vorgestellt hat.
Nun ist sie prallel am Neuorientieren.
Sie hat nun Infoveranstaltungen zu anderen Ausbildungen besucht und dort erfahren, dass es vier- bis zehnmal so viele Bewerber als Stellen gibt.
Es gibt jeweils ein Aufnahmeverfahren im Frühjahr und wenn man unter den Glücklichen ist, die tatsächlich einen Platz ergattert haben, dann beginnt das Studium kommenden Herbst.
Ich unterstütze sie, dass sie das für sie Richtige findet, das ihren Stärken und Interessen am nächsten kommt, sie zufrieden macht. Sie schafft sich jetzt ihr Basis. Und da finde ich es wichtig, dass sie sich alles, was sie interessiert, bei Infoveranstaltungen ansieht,  Erfahrungsberichte einholt und auch reflektiert, welchen beruflichen Weg sie sich vorstellt. Was ihr wichtig ist.
Sie intensiviert nun auch ihre Arbeitseinsätze, da sie genug Geld sparen möchte, um sich kommendes Jahr den Führerschein leisten zu können … und dann ist da noch ihre Zuneigung zu einem griechischen jungen Mann.
Nachdem sie ihn im Spetember besucht hatte, kam er letzte Woche in unsere Heimatstadt, wohnte bei uns und wir haben sehr interessante Gespräche gehabt.
Für Jänner haben die beiden Turteltauben mal besprochen, dass sie gemeinsam Skifahren gehen wollen.

Herzensglück und ich haben wieder einige schöne Unternehmungen gemacht, stellen immer wieder fest, wie gleich wir denken. Ich stelle immer wieder verwundert fest, wie einfach und harmonisch das Leben verlaufen kann. Ich bin, wie ich bin und ich werde so geliebt, wie ich bin. So viel Gleichklang, gleiche Interessen. Noch immer passiert es uns, dass wir zeitgleich dasselbe aussprechen.
Es ist so wohltuend und befreit mich, dass nicht jedes Wort von mir seziert und auf die Goldwaage gelegt wird, es wird nicht „besprochen“, wo ich mich besser abgrenzen muss etc. Zu meiner Familie haben wir ein normales Verhältnis, grenzen uns ab, wo wir nicht vereinnahmt werden wollen, genießen aber z. B. auch gemeinsame Abendessen mit meinem Bruder und seiner Frau oder mal ein Schlückchen Wein bei meinen Eltern bei einem Spontanbesuch.
Dieser Einklang zwischen uns bedeutet aber nicht, dass wir in einer tranigen Harmoniesucht versinken. Es tut sich gewaltig etwas. Immer wieder reflektiere ich und komme zu neuen Erkenntnissen. Ich erkenne meine Muster, ärgere mich auch manchmal, wenn ich wieder einmal in so ein unnötiges Muster reingekippt bin und ich es mir selber schwerer mache, als ich müsste. Wenn ich Gedanken habe, die jeder Grundlage entbehren.
Wir genießen auch die ruhigen Wochenenden, wie das vergangene: Samstag waren wir bei einer „Ausstellung“, die sich mit dem Thema Reisen beschäftigte, danach am nahegelegenen Weihnachtsmarkt auf einen Glühwein und anschließend haben wir es uns zu Hause gemütlich gemacht.
Sonntag wollten wir einen ausgiebigen Spaziergang unternehmen, da es aber den dreiviertel Tag heftig geregnet hat, ließen wir es bleiben und haben stattdessen miteinander gekocht und auf dem Sofa gefaulenzt mit lesen und 2 kurze Dokumentationen im Fernsehen angesehen.

In gut 2 Wochen fliegen wir nach London, worauf wir uns schon sehr freuen.
Und die Planung für unsere Reise nach Vietnam nimmt auch Gestalt an.
Es macht sehr viel Freude, gemeinsam die Köpfe über dem Reiseführer oder der Karte des Landes zusammenzustecken und zu planen, was wir alles sehen möchten. Vorfreude zu empfinden, was wir dort alles erleben werden, welche Begegnungen es geben wird.

Ihr seht also, ich lebe noch und ich liebe das Leben!

Eure herzensfrohe
Patentsocke