Archiv für den Monat November 2014

171. Text_Lichtpunkte

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Liebe Blogbesucher!

Vergangene Woche war die letzte der 10 Einheiten meiner Frauengruppe.
Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht.
Im Jänner beginnt ein neuer Kurs und ich überlege, wieder hinzugehen, denn diese 2 Stunden waren Ruheinseln für mich und wirklich Zeit für mich.
Und haben sehr gut getan. 🙂

Dann war vorige Woche das 1. Kennenlernen mit dem Klienten in der Organisation, für die ich ehrenamtlich tätig bin.
Das lief recht gut, der Klient hat sehr offen über seine Krankheit und deren „Auswirkungen“ gesprochen, wollte auch von mir ein paar Dinge wissen.
Als er gefragt wurde, was er sich von mir als Sozialbegleitung  erwartet, hat er dann sehr allgemein gesprochen, also vonwegen „Die Person soll gut zuhören können, fröhlich sein …“ Und dann hat er auf seine ehemalige Sozialbegleiterin Bezug genommen und dass er möchte, dass die neue Sozialbegleitung so ist wie die, weil die war toll.
War dann schon ein eigenartiges Gefühl, als ich da saß und nicht „mit“ mir geredet wurde, sondern so quasi „über“ mich und mir da so ein tolles Vorbild vor die Nase gehalten wurde.
Als es dann zur Vereinbarung des 1. Treffens kam, habe ich den Sonntag vorgeschlagen und als er meinte, er weiß nicht, was wir tun könnten, und viele Argumente brachte, was alles nicht möglich sein könnte (es könnte ja regnen, alles ist zu …) schlug ich vor, dass ich mir etwas bis dahin überlege und er sich auch etwas überlegen soll und wir am Sonntag dann sehen, welcher Vorschlag sich am besten eignet.

Am Abend kam dann der Mann, der mit mir spazieren und Mittagessen geht, noch vorbei und wir gingen miteinander etwas trinken. War wieder ein sehr schönes Beisammensein mit viel plaudern und lachen.
Wir nähern uns an, langsam, zaghaft.

Samstag hatte ich dann Schulungstag bei der Ehrenamts-Organisation.
Es ging um Kommunikation und ich kannte durch meinen Ex-Partner schon vieles, aber es war gut, das nochmal zu hören und vor allem auch im Kontext mit der Sozialbegleitung.
Danach war ich noch bei der Familie meines Bruders eingeladen, da der Geburtstag eines seiner Kinder vorgefeiert wurde.

Sonntag hatte ich am Vormittag dann das 1. Sozialbegleitungstreffen mit meinem Klienten.
Er stand schon vor seiner Haustüre und hat sogar selbst einen Vorschlag gemacht, was wir unternehmen können.
Wir fuhren also zu einem bekannten Platz im Stadtinneren, der an einem Garten liegt, und gingen dort spazieren, saßen auch auf einer Bank und haben geplaudert. Er hat viel von sich erzählt.
Als es dann Richtung Ende des Treffens kam, meinte er: „Ich danke Ihnen, das war ein sehr schöner Vormittag, Sie sind eine gute Zuhörerin.“ Und als wir am Bahnsteig des öffentlichen Verkehrsmittels waren, das uns wieder zu seiner Wohnadresse führte, meinte er nochmals: „Ich hoffe, es war für Sie auch in Ordnung. Für mich war es sehr schön.“
Da ich mit dem Verkehrsmittel gleich bis nach Hause fahren konnte und wir das vorher besprochen hatten, dass er bei seiner Station aussteigt und ich gleich weiterfahre, stieg er aus und blieb draußen am Bahnsteig stehen, den Blick Richtung Ausgang gerichtet. Ich bekam schon Sorge, ob er orientierungslos sei, als sich das Verkehrsmittel in Bewegung setzte und er sich zu mir drehte und mit Lachen hereinwinkte.
Diese kleine Geste des Wartens und noch Verabschiedens von draußen habe ich als sehr nett empfunden.
Da es wichtig ist, beim Treffen gleich den neuen Termin zu vereinbaren, haben wir das auch schon gemacht und so sehen wir einander kommenden Sonntag am Vormittag.
Ich habe vorgeschlagen, ein Museum zu besuchen, in dem gerade Fotos ausgestellt werden, die aus der Vogelperspektive zeigen, welchen Einfluss der Mensch auf die Landschaften der Welt hat.
Ich hoffe, dass dieses Treffen für meinen Klienten auch wieder schön ist.

Nach dem Treffen fahre ich am Nachmittag zur Geburtstagsfeier meines Enkelkindes.

Heute war ich beim Teamtreffen der Sozialbegleitergruppe und habe ein paar neue Sozialbegleiter kennengelernt, habe mich vorgestellt und weiß nun, wie dort über das Erlebte gesprochen wird, man einander Feedback gibt, von der Gruppenleiterin Informationen bekommt usw.
Sie sind zusätzlich zur monatlichen Supervision gute Unterstützung im eigenen Tun.
Diese Treffen finden alle 2 Monate statt.

Anfang Dezember gibt es den Tag des Ehrenamtes und alle Sozialbegleiter der Organisation sind zu einer Feier eingeladen, bei der es ein musikalisches Rahmenprogramm gibt und Kulinarisches. Beides wird aus dem Klientenbereich der Organisation dargeboten bzw. bereitgestellt, die auch Gruppentherapien für die Klienten anbietet und auch ein Cateringunternehmen, das von Klienten betreut wird, betreibt.
Die neuen Sozialbegleiter werden offiziell in der Runde begrüßt. Und es ist eine gute Gelegenheit, die anderen Sozialbegleiter kennenzulernen.

Ich habe durch all die Veranstaltungen (Frauengruppe, Ehrenamt) sehr schöne Erfahrungen gemacht, dass ich auf Menschen zugehen kann, dass es offene, herzliche Gespräche gibt, dass es bereichernde Momente gibt und ich einen Menschen froh gemacht habe, indem ich ihm Zeit des Miteinander geschenkt habe.

Das sind meine Lichtpunkte.
Es gibt noch immer die Momente, in denen es mir nicht gar so gut geht.
Diese Lichtpunkte helfen, mit ihnen auch besser umzugehen.

Einen Spruch, den ich am Samstag bei der Schulung gehört habe,
möchte ich an das Ende meines heutigen Eintrags stellen.

Wenn Leute dir sagen „Kümmere dich nicht so viel um dich selbst!“
dann sieh dir die Leute an, die dir das sagen.
An ihnen kannst du erkennen, wie das ist,
wenn einer sich nicht genug um sich selbst gekümmert hat.

Erich Fried

Liebe Grüße von
eurer Patentsocke

 

 

170. Text_Spannendes Leben

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Liebe Blogbesucher!

Es ist so viel zu tun.
Ich soll ein Projekt bis Jahresende abschließen, bekomme aber keine Unterlagen, die es mir ermöglichen, hier voll durchzustarten.
Eigentlich sollte eine wichtige Arbeitsphase seit Anfang dieser Woche am Laufen sein, aber ich kann nicht loslegen, weil ich eben notwendige Unterlagen erst Ende dieser/Anfang kommender Woche erhalte.
Und wie heißt das Sprichwort: Den letzten beißen die Hunde.
Und dieser Letzte werde wohl ich sein. 😦
Ich stelle mich also wieder auf einen Nachteinsatz ein … oder zumindest werden es lange Tage bis Weihnachten.
Gut, dass da ein Feiertag dazwischen liegt, da komme ich dann vielleicht zum Durchschnaufen.

Das vergangene Wochenende brachte zwei wundervolle Tage.
Der Besuch meines Cousins mit seiner Frau war wieder ein so herzlicher, es ist wirklich schön, mit den beiden zusammen zu sein.
Wir haben erst einmal Jause gegessen und gequatscht und dann mit dem Gesellschaftsspiel begonnen.
Dann kamen mein Bruder, meine Schwägerin und ihre beiden Kinder auf Kurzbesuch und es war, wie es meist ist: Alle haben sich fröhlich im Wohnzimmer auf dem Sofa und auf dem Boden niedergelassen, dazwischen mit Duplo und Holzeisenbahn spielende Kinder und es war ein locker-munteres Beisammensein.
Gut, dass ich einen großen Topf Kürbiscremesuppe und zwei Auflaufschüsseln Gemüseauflauf vorbereitet hatte, so wurden alle satt. 🙂
Die Familie meines Bruders verließ uns nach etwa 90 Minuten wieder und wir begannen die zweite Runde des Gesellschaftsspiels.
Es war dann 22 Uhr als mein Cousin und seine Frau wegfuhren.
Und natürlich haben wir bereits den nächsten Spielenachmittag/-abend vereinbart.
Bei diesem werden dann schon meine Großtochter mit Partner dabei sein, weil sie ja über die Weihnachtsfeiertage in meine Heimatstadt kommen.

Den Sonntagvormittag nutzte ich, um ein paar Handgriffe im Haushalt zu erledigen, bevor es am Nachmittag in die Keramikmalwerkstatt ging.
Dort hatten wir für uns acht Personen einen eigenen Tisch.
Mein Enkelkind und das Kind des befreundeten Ehepaares fanden sich gleich Werkstücke und mit Unterstützung der Eltern wurden richtige Kunstwerke daraus.
Auch uns Erwachsenen hat das Bemalen sehr großen Spaß gemacht. 🙂
So war auch der Nachmittag ein sehr unterhaltsamer, der mir sehr gut getan hat.

Morgen lerne ich meinen Klienten kennen, den ich als Sozialbegleiterin unterstütze.
Es ist ein Mann, ein paar Jahre älter als ich und geht in einem Sozialprojekt zur Arbeit und wohnt in seiner eigenen Wohnung, unterstützt von einem Wohnbetreuer, der auch bei dem morgigen Treffen anwesend sein wird, da auch er mein Ansprechpartner sein kann.
Zum Krankheitsbild des Klienten (ich wurde von der Leiterin des Ehrenamtes bereits am Telefon vorinformiert) habe ich mir bereits Literatur besorgt.
Also falls die Chemie morgen stimmt, geht es mit der Sozialbegleitung los.
Ich bin schon freudig neugierig.
Einlassen auf einen anderen Menschen, offen sein, eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen bei gleichzeitiger Wahrung der Grenzen.
In einem der Bücher, das ich gerade zur Thematik lese, steht ein Satz, der mir gefällt: Hören, aber nicht hörig werden.
Das wird eine sehr neue Situation für mich.
Aber ich fühle mich dem gewachsen.
Durch die Situation von Anfang November ist etwas sehr Wichtiges in mir entstanden, etwas, das mir Stärke und Vertrauen in meine Fähigkeiten und in mich als Person gibt.
Ich kann das gar nicht in Worte fassen, aber es fühlt sich sehr gut an.

Am Samstag bin ich bei der Schulung der Organisation, für die ich ehrenamtlich tätig bin.
Da geht es auch um Persönlichkeitsentwicklung.

Sonntag habe ich noch nichts vor.
Aber im Gegensatz zu noch vor einiger Zeit macht es mir keine Angst mehr.

Ich bekomme sehr positives Feedback aus meiner Umgebung, bin kommunikativ, lerne neue, interessante Menschen kennen.
Ich schaue mir genau an, welche Begegnung mir gut tut und welche nicht.
Welche bestehen bleibt und welche sich nach ein oder zwei Treffen erledigt hat.
Früher war ich zu oft bemüht, es allen recht zu machen und sah es als meine Schwäche an, wenn ich nicht so war, wie der/die andere mich wollte.
Denn sie/er hat bestimmt recht, und es ist mein Mangel, dass ich das nicht erfüllen kann, dass ich nicht so bin, dass ich das nicht so sehe …
Das habe ich großteils abgelegt (von vollkommen abgelegt zu sprechen wäre übertrieben und unehrlich), ich kann Stellung beziehen, meine Sichtweise äußern, meine Grenzen ziehen.
Wo ich früher im Bestreben um Anerkennung mich und meine Bedürfnisse oft verleugnet, mich oft „klein“ gemacht habe, kann ich heute meinen Standpunkt vertreten.
Es ist nicht mehr wichtig, mit allen „gut Freund“ zu sein.
Das hat auch seine Qualität.
Immer wieder kommen mir die Worte „Ich habe meinen Stolz und meine Würde“ in den Sinn.
Ich weiß nicht, ob sie genau das ausdrücken, was ich fühle.
Vielleicht verändern sie sich auch mit der Zeit.
Es ist ein innerliches und äußerliches Aufrichten, ein Kopf-Heben, ohne überheblich zu werden oder auf andere herunterzuschauen.
Sondern Ausdruck meines Selbst-Bewusstseins.
Es ist ein Erkennen meines Wertes als der Mensch, der ich bin.

So gibt es im Außen und auch in meinem Innen sehr viel neues und spannendes Leben.
Und ich bin neugierig auf das Leben. 🙂

Eure Patentsocke

169. Text_Neues Leben

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Liebe Blogbesucher!

Die letzten Tage waren sehr ereignisreich, darum kam ich auch nicht dazu, hier zu posten.

Die Erfahrung, die ich über mich selber an besagtem 1. November gemacht habe, hat sehr tiefgreifende Spuren in mir hinterlassen.
In der gestrigen Therapie habe ich nochmal aufgearbeitet, welche Knöpfchen da bei mir gedrückt wurden, wie besch… ich nach alten Mustern reagiert habe.
Aber auch meine Dankbarkeit, durch diese Erfahrung gegangen zu sein, denn ich bin jetzt befreit, schaue nach vorne.

Ich habe innerhalb einer Woche alle Schritte gesetzt, um jetzt ehrenamtlich tätig sein zu können.
Die Dame, die mit mir bei der Freiwilligenmesse gesprochen hat, hat mich der Leiterin des Ehrenamtes in so glühenden Worten beschrieben, dass diese mich kontaktiert hat.
Ich war beim Informationsabend, hatte zwei Tage später mit ihr das Einzelgespräch und war vergangenes Wochenende bereits in der dreitägigen Grundschulung, die notwendig ist, ehrenamtlich tätig sein zu können.
Nun kann ich Sozialbegleitung für psychisch kranke Menschen machen.
Es wird jetzt geschaut, welcher Klient und ich „zusammenpassen“.
Dann gibt es unter der Führung der Leiterin des Ehrenamtes ein Erstgespräch und wenn der Kleint und ich einverstanden sind (also die Chemie passt), beginnt die Begleitung.

Ein Mal in der Woche 1-3 Stunden den Menschen aus seiner Isolation holen, Ausstellungen besuchen, spazieren, Gespräche führen, einfach Da-Sein, eine Beziehung aufbauen.
Ich kenne die Herausforderungen und möchte mich ihnen ganz bewusst stellen.
Beim Schulungswochenende waren auch bereits tätige Sozialbegleiter da und haben von ihren Anfangs“fehlern“ berichtet und den Situationen, die auf einen zukommen können, und wie sie gelernt haben, damit umzugehen.
Ein Mal im Monat gibt es Supervision, da habe ich mich bereits in die zeitlich (nämlich abends stattfindende) passende Gruppe eingetragen.
Alle zwei Monate findet ein Teamtreffen statt, bei dem die Sozialbegleiter mit ihrem Teamleiter (der ein sehr erfahrener Sozialbegleiter ist und ständiger Ansprechpartner, falls man eine Frage hat) ihre Erfahrungen austauschen.
Es gibt ein Mal monatlich zu diversen Themen Fortbildungen.
Am 22. 11. bin ich schon bei einer.
Man ist haftpflicht- und unfallversichert und bekommt eine Aufwandsentschädigung.
Monatlich schreibt man einen Tätigkeitsbericht.

Es wird also eine sehr spannende, lehrreiche und bereichernde Zeit werden.
Ich freue mich schon sehr darauf!

Letzte Woche bin ich von dem Mann, der mich ab und zu zum Mittagessen einlädt und der mir handwerklich hilft, nach der Arbeit in eine Therme außerhalb meiner Heimatstadt eingeladen worden und habe mit ihm sehr, sehr angenehme Stunden verbracht.
Unter der Woche treffen wir einander ab und zu vor dem Arbeitstag für einen Spaziergang, genießen die Natur, plaudern, tanken Energie auf und dann geht es an die Arbeit.

Kommendes Wochenende habe ich am Samstag meinen Cousin mit Frau am Nachmittag zu Besuch, sie spielen auch gerne Gesellschaftsspiele und das werden wir bei dem netten Beisammensein machen.
Sonntag gehe ich mit Sohn, Schwiegertochter und Enkelkind sowie einer befreundeten Familie von ihnen, die ich auch kenne, zu einer Keramikmalwerkstatt.
Die Idee, da mit meinem Enkelkind hinzugehen, hatte ich und alle anderen haben sich angeschlossen, weil sie das auch machen wollen.
Also nicht, dass hier der Verdacht aufkommt, ich hänge mich an die Aktivitäten  meiner Kinder ran, weil ich mit mir nichts anzufangen weiß. 😉

Kleintochter hat nun einen fixen Freund. Ein sehr sympathischer Bursche.
Sie wird also jetzt auch mehr und mehr flügge. 🙂

Mein Leben ist momentan hell und schön und lebenswert.
Schön ist das!
Liebe Grüße
Eure Patentsocke

 

 

 

168. Text_Katharsis

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Liebe Blogbesucher!

Ich habe die letzten beiden Einträge gelöscht.
Es ist Zeit, aufzuhören zu jammern, aufzuhören, mich selbst kaputt zu machen,
aufzuhören mich selbst zu bemitleiden.

Heute war ein wichtiger Tag.
Er hat viele Tränen gebracht und viel Schmerz.
Aber auch Erkenntnis.

Ich lasse mich nicht mehr klein reden,
ich gebe keinem Menschen mehr das Recht, meine Grenzen zu überschreiten,
auf mich draufzuspringen und auf mir herumzutrampeln.
Was auch immer ich falsch gemacht habe,
wie auch immer ich fehlgeleitet gehandelt habe.

Ich habe mich entschlossen, daran zu reifen,
erwachsen zu werden.
Verantwortung zu übernehmen.

Heute war ein wichtiger Tag!
Eure Patentsocke