166. Text_Engagement

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Liebe Blogbesucher!

Nach einem recht intensiven Wochenende habe ich es mir jetzt auf dem Sofa gemütlich gemacht und nütze die Zeit, hier wieder ein paar Zeilen zu schreiben.

Gestern wurde mein Enkelkind schon in der Früh zu mir gebracht. Während ich noch ein paar Handgriffe im Haushalt machte, hat es gespielt.
Dann brachen wir zu einer Veranstaltung vor dem Rathaus auf, bei dem sich diverse Rettungsorganisationen vorstellten. Enkelkind ist ein großer Fan von Hubschraubern und so war es besonders toll, dass es in einem Hubschrauber Platz nehmen konnte. Nach anfänglicher Zurückhaltung hat es ihm gut gefallen, vor allem als Oma mit hineinkam. 🙂
Dann haben wir noch einen Rettungswagen bestiegen, eine Brandvorführung gesehen und die Rettungs- bzw. Begleithunde gestreichelt. Natürlich haben wir auch zwei gasgefüllte Luftballons bekommen, die wir den Rest des Tages mit uns geführt haben und damit manchmal für Aufsehen gesorgt haben, weil manche Situationen mit schwebenden Luftballons nicht so einfach zu bewältigen sind (einsteigen in die Straßenbahn, in der Straßenbahn …). 😉
Es war doch etwas kalt und durch das Stehen und langsame Herumgehen wurde uns beiden dann schon kalt.
So sind wir wieder in die Straßenbahn gestiegen: Ich mit Rucksack am Rücken, Tasche um die Schulter, Kind an der Hand, zwei Luftballons, die über unseren Köpfen herumtanzten. In der Straßenbahn ist Enkelchen ein immer erzählendes und fragendes Menschlein und so ergeben sich dort auch immer nette Gespräche.
Wir fuhren zu einer sogenannten Freiwilligenmesse weiter, bei der sich viele Institutionen vorstellten, die ehrenamtliche Mitarbeiter suchen.
Da dieses Thema auch schon seit einiger Zeit durch meinen Kopf wandert, wollte ich mich dort einmal erkundigen, wo meine Unterstützung gebraucht werden könnte.
Ich bin ja berufstätig und kann meine Unterstützung nur am Abend bzw. am Wochenende anbieten.
Ich möchte mich engagieren, etwas Sinnvolles tun, möchte anderen Menschen meine Zeit zur Verfügung stellen.
Nun sind zwei Institutionen in die nähere Wahl gekommen:
Da wäre einmal eine psychosoziale Begleitung für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung.
Ich habe mit dem Herren der Institutionen sehr intensiv gesprochen, was ich einbringen kann, was sie sich erwarten, was sie anbieten.
Was mir besonders gefällt, ist, dass das, trotzdem es ein Ehrenamt ist, sehr professionell betreut wird.
Bevor man beginnen kann, macht man eine Schulung. Es gibt jeden Monat eine kostenlose Weiterbildung zu diversen Themenbereichen wie Selbstmotivation, praktische Psychiatrie, Co-Abhängigkeit/Helfersyndrom, Konstruktive Konfrontation, Suizidalität, Meine Persönlichkeit – Basis meines Erfolgs …

In regelmäßigen Abständen gibt es Supervision und man hat einen Mitarbeiter als ständige Ansprechperson zur Seite.
Gedacht ist, dass man 1 bis 2 Mal pro Woche mit der zu betreuenden Person zusammenkommt und Ansprechperson für Anliegen/Bedürfnisse ist, beim Aufbau sozialer Kontakte unterstützt, diverse Wegbegleitungen etc.
Kontinuität hat eine hohe Wichtigkeit.
Es gibt  Montag übernächster Woche eine Informationsabend, den ich besuchen möchte.
Dafür werde ich den Termin bei meiner Psychotherapeutin ausnahmsweise auf einen anderen Wochentag  legen.

Das zweite Projekt, das mich sehr anspricht, ist eines, das sich mit obdachlosen Menschen befasst.
Ihnen Essen und eine Unterkunft für die Nacht zur Verfügung stellt.
Die Unterkunft kann zwischen 18 und 22 Uhr bezogen werden und da ist ein Empfangsdienst vonnöten, den ich übernehmen könnte. Auch in der Küche/Essensausgabe kann ich unterstützen. Das würde sich mit meiner Berufstätigkeit auch ausgehen.
Meine Daten wurden aufgenommen und ich werde kontaktiert werden.

Also vielleicht ergibt sich bei einem der beiden Projekte die Möglichkeit der Mitarbeit.

Währende ich mich dort unterhalten habe, hat Enkelkind die Give-aways abgeräumt und die angebotenen Zuckerl durchgetestet.
Ich habe also jetzt jede Menge Einkaufsjetons, Kugelschreiber, Lesezeichen …
Bei allen Ständen wurde ich für die Mutter des Kindes gehalten. 😀

Als ich zu einem Stand, der Alleinerzieherinnen hilft, ging, wurde ich gefragt, ob ich Hilfe suche oder anbiete.
Bei einem anderen wurde ich gefragt, ob ich jetzt leicht in Karenz eine eherenamtliche Tätigkeit aufnehmen möchte.

Die dritte wurde aufmerksam, als mich Enkelchen mit Oma ansprach. „Sie sind gar nicht die Mutter? Also dass Sie keine 20 mehr sind, das siehst man, aber die Oma ….“ Und dann hatten wir schon ein nettes Gespräch über das Oma-Sein, weil sie auch schon Großmutter ist.

Am Abend habe ich das Enkelkind dann in die neue Wohnung von Sohn und Schwiegertochter gebracht und war ein bissel bei ihnen.
Die Wohnung ist wirklich sehr schön und bietet genug Platz.
Die beiden haben gleich gefragt, ob Enkelchen geweint hätte. Das konnte ich verneinen. Daraufhin erzählten sie, dass es sowohl beim Papa als auch der Mama von Schwiegertochter jedes Mal einige Zeit bitterlich weint, wenn sie beide gegangen sind. Bei mir nicht. Keine Ahnung warum, vielleicht haben wir wirklich einen besonderen Draht zueinander. Gestern hat es auch ein paar schmusige Momente gehabt, obwohl es sonst nicht das Kuschelkind ist. Tut auch gut, wenn sich da ein Menschlein anschmiegt.
Ich bin dann völlig geschafft vor dem Fernseher eingeschlafen und hab beim Aufwachen spätabends gesehen, dass mir die Freundin, bei der wir vorigen Sonntag waren, ein Bild meiner Jacke über WhatsApp geschickt hat, weil jede, die sie gefragt hat, abgewunken hat, Eigentümerin der Jacke zu sein. Und mir ist sie bis gestern nicht abgegangen. Holla, die Vergesslichkeit schlägt zu.

Heute empfing mich in aller Früh ein Erdgeschoß übersät mit Vogelfedern. Den dazugehörigen Vogel habe ich bis jetzt nicht gefunden. 😦

Nach dem Frühstück  bin ich in den Garten und habe meine Oleander ins Winterquartier geräumt. Und dann lag ich beim ersten Oleander gleich unter der Pflanze und konnte mich nicht mehr befreien. Eingeklemmt zwischen Sackrodel und Pflanztopf/Pflanze. Ich hatte Glück, dass die Nachbarin kurz darauf zu ihrer Eingangstüre ging und mir zu Hilfe gekommen ist. Der Boden ist schon verdammt kalt. Ging dann mal aufwärmen ins Haus und da flossen dann erstmal die Tränen. Es war wieder so ein Gefühl des Alleinseins, der Hilflosigkeit. Ich hab mich dann darauf besonnen, dass alles gut gegangen ist und dass ich nicht in die Zukunft blicken kann, ob ich dann auch alleine und hilflos solchen oder ähnlichen Situationen gegenüberstehe. Damit ziehe ich mich nur im Heute hinunter, ohne zu wissen, ob das wirklich alles so kommt, wie ich es mir in diesen düsteren Gedanken ausmale.
Ich hab dann weitergemacht und alle Pflanzen mit Wintervlies abgedeckt, meine Gartenmöbel zusammengelegt und abgedeckt und die einjährigen Pflanzen entsorgt. Gartenarbeit tut mir gut, das erdet mich, da kommen meine Gedanken auch in Bewegung.

Dann machte ich Mittagessen und anschließend habe ich Verblühtes zurückgeschnitten, Gartenschlauch weggepackt, Wasseranschluss winterfest gemacht …
Und jetzt bin ich zufrieden, dass der Garten nun für die kalte Jahreszeit gerüstet ist und genieße die ruhigen Stunden auf dem Sofa.

Morgen beginnt ja wieder eine Arbeitswoche.
Die nächsten Wochen werden sehr arbeitsintensiv sein.
Schon jetzt habe ich 50 Gutstunden, keine Ahnung, wann ich die als Gutzeiten nehmen soll.

So war dieses Wochenende dem Engagement gewidmet: Dem für mein Enkelkind, dem der ehrenamtlichen Mithilfe, dem Garten.
Und für mich.

So eigenartig es klingt, während ich im Garten gearbeitet habe, sind einige Gedanken klarer geworden.
Noch lange nicht alles im Sinn von „kein Problem mehr“, aber zumindest so, dass ich damit ein bissel besser umgehen kann.
Sobald ich merke, dass ich  tendiere mit Wehmut daran zu denken, was verloren ist, was es nicht mehr geben wird, wie es früher war, denke ich an das, was ich habe.

Ich wünsche euch einen angenehmen Restsonntag und einen schönen Wochenbeginn
Eure Patentsocke

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  1. Gartenarbeit mag ich auch gerne und ich bekomme den Kopf dabei auch oft recht gut etwas freier.
    Ich habe Dienstag wieder „Kindertag“ und bin mit dem Dreijährigen unterwegs . . . wird sicher wieder total lustig und kurzweilig. Freitag ist dann das Grinsebaby an der Reihe, was einfach nur gut tut.
    Ich hoffe Du findest das für Dich passende und hast dann auch so viel Spass wie ich.

    Dir auch einen guten Wochenstart

    lg sue

    • Liebe Sue!

      Ich werde mir die beiden Ehrenamtprojekte ansehen, zum Infoabend gehen und dann in mich gehen, wo ich mich am besten einbringen kann.
      Lustig und kurzweilig habe ich es mit Enkelchen auch immer. Ich genieße diese Stunden immer sehr.
      Viel Spaß mit deinen Rackern! 🙂

      Feste Umarmung!
      Söckchen

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