147. Text_Stolperweg

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Liebe Blogbesucher!
Ich sitze hier, das Wetter draußen Grau in Grau wie in mir drinnen.
Und dann blitzen die ersten Schneeglöckchen im Gras
und auch den ersten lila Krokus habe ich schon entdeckt.
Die Korkenzieherhasel zeigt schon ihre Samenwürstel.
Eine Ahnung von Frühjahr in der Natur.
In mir nur ganz zarte Regungen von Frühjahr.

Freitag war in der Arbeit mehr zu tun, sodass ich später als üblich aus dem Büro kam, dann gleich einkaufen ging und zu Hause angekommen, einige Handgriffe erledigte.

Samstag habe ich das schöne Wetter genutzt, um im Garten zu arbeiten.
Das tut mir immer sehr gut, das erdet mich.
Und dann erwische ich mich dabei, wie der Gedanke kommt:
Schau, ein Krokus, das muss ich … gleich erzählen.
Rums: Nichts mit erzählen. Es ganz alleine genießen.
Es geht mir ab, dass ich nicht mit ihm reden kann, meine Gedanken mit ihm austauschen kann. Ihm nicht erzählen kann, was ich alles in mir entdecke, wie ich mir mit manchem sehr schwer tue, wie manches, auch wenn es schmerzt, dennoch befreit.
Und auch gemeinsam lachen, sich freuen, das Leben genießen.
Und auch miteinander weinen.
In mir der Gedanke, dass wir es miteinander geschafft hätten.
Wir waren aber anscheinend beide schon so ausgelaugt, dass wir es uns nicht zugetraut haben.
Natürlich gab es die Punkte, die zu unserer Trennung geführt haben, die verleugne ich auch nicht.
Vielleicht hätten wir uns einfach eine Nachdenkpause geben sollen, in der jeder zu sich selbst findet, seine Ruhe findet.
Vielleicht hätte es dann auch wieder einen Weg zueinander und miteinander gegeben.
Aber das ist alles Hirnspinnerei.
Es ist aus.

Ich erwische mich bei den Gedanken, einfach zu ihm zu fahren, ihm zu sagen, dass wir doch einen anderen Weg einschlagen können.
Und dann weiß ich, dass genau das das Falsche wäre.
Ich hielte den Schmerz nicht aus, wenn er mich, aus Selbstschutz, einfach stehen ließe, zurückweisen würde.
So weit bin ich nicht, dass da das innere Kind in mir nicht völlig verzweifeln würde.
Und ich wäre wieder in der alten Spur: Ich bin aktiv. Ich leiste.
In der Gesprächstherapie war genau das Thema.
Denn ich bin immer die, die Aktionen setzt.
Gelernte Botschaft: Du wirst nur für deine Leistung geliebt.
Lernaufgabe: Du wirst geliebt, weil du du bist. Lerne dich selbst zu lieben.
Erfahrene Liebesbotschaft in der Kindheit: Sei nicht, Lieblosigkeit.
Und jetzt strampelt sich das innere Kind in mir ab, sich selbst zu lieben.
Den Perfektionsimus hinter sich zu lassen, Gelassenheit zu üben, Leben wahrnehmen und nicht einfach getrieben durch den Tag hetzen.
Leben genießen: Mit allen Sinnen.
Riechen: Heute in der Früh stiegen mir schon die Tränen in die Augen, weil ich wieder den Lavendelduft des Duftsäckchens im Kleiderkasten wahrgenommen habe.
Hören: Musik bewusst hören, die Stimmungen in mein Innerstes einziehen lassen, zulassen, dass die Tränen fließen, dass ein Jauchzen kommt.
Schmecken: Ganz bewusst wahrnehmen, dass etwas süß, salzig, sauer … ist.
Tasten: Den Wind auf der Haut spüren, die Sonnenstrahlen im Gesicht …

Ich möchte nicht hart werden, ich möchte nicht, dass das Leid mich kalt macht.
Es geht darum, dass ich den Schutzpanzer ablege, dass ich meine verletzliche Seite zulasse
Dass ich lerne, mit der Verletzlichkeit umgehen zu können.
Denn nur dann ist wahre Begegnung mit anderen Menschen möglich.
Es sind kleine Schritte auf dem Weg zu mir selbst, aber ich gehe, ich gehe vorwärts.

*****************

Sonntag war ich mit meinem Bruder und meiner Tochter Badminton spielen.
Die Bewegung hat gut getan, den Körper spüren, den Atem spüren.
Ich merke, wie wenig Kondition ich habe.
Danach waren Tochter und ich gemeinsam mit der Familie meines Bruders Mittagessen und danach habe ich den versprochenen Kuchen gebacken (mein Bruder hat mir ja die Außenlampe montiert) und wir haben gemeinsam gejausnet und anschließend haben wir meinem Bruder noch bei einem handwerklichen „Problem“ geholfen.

Abends war ich so erledigt, dass ich prompt auf dem Sofa eingeschlafen bin.

Während ich hier schreibe, warte ich auf den Spengler, der den Schaden auf meinem Dach reparieren kommt, weil ich ja in einem Zimmer einen Wasserfleck habe.
Er sollte in den nächsten Minuten da sein.

Morgen habe ich einen Urlaubstag und meine Freundin und ich haben beschlossen, diesen in einer Therme zu verbringen.
Da habe ich wieder die Möglichkeit, intensiv zu fühlen, zu erleben, zu genießen.

Und so lebe ich Alltag und die sehr intensiven Momente des Mich-Kennenlernens.

Ich wünsche euch einen angenehmen Wochenstart!
Patentsocke

»

  1. Hallo Söckchen

    oh ja, sich selbst zu lieben und zu begreifen, dass nicht „ich“ (Du) allein an der Trennung „schuld“ bist. Das wissen und umsetzen ist – und das weisst Du- zweierlei.

    Auch wieder lernen, ich freue und erfreue mich an etwas NUR ICH allein- ohne dass ich dafür jemanden dabei haben muss.

    …denn ich hab ne Zeit gehabt da dachte ich, allein kann ich mich nicht freuen.. Weit gefehlt.. Das geht .. und Du lernst es.

    einen tollen Tag mit der Freundin in der Therme.

    ach ja – eine Freundin und ich wollen mal ins Solebad– ich muss mal einen Termin absprechen.

    ..sonst wird das nix…

    hier lesen und selbst wieder neu daraus lernen – finde ich auch wichtig. (für mich)

    Viele gute Gedanken wünscht Dir
    … die Christel….

    • Liebe Christel!

      Das Wissen und es dann auch umzusetzen sind zweierlei Dinge.
      Aber schon das Bemerken bringt mich vorwärst.
      Auch wenn ich noch immer in die gleichen Fallen stolpere.
      Das nächste Mal, kann ich ihnen vielleicht schon ausweichen.
      Und das Erkennen, welche Mechanismen da in mir werken und mich zu den Reaktionen veranlassen, die ich setze.
      Z. B.:
      Heute bin ich ja später bei der Arbeit angekommen und meine direkte Kollegin saß über einer Menge Arbeit, wirkte „distanziert“.
      Als ich am Freitagnachmittag das Büro verlassen hatte, war nichts mehr auf dem Tisch zu bearbeiten.
      Und ich bemerke ihr gegenüber, dass ich am Freitag alles aufgearbeitet hatte.
      Hä? Was soll das? Warum rechtfertige ich mich?
      Das sind so Sachen, die ich jetzt mehr bemerke und dann auch in mich reinspüre, was da wieder angesprungen ist.

      Auf den Tag in der Therme freue ich mich schon sehr.
      Wir werden es sicher genießen. 🙂

      Liebe Grüße an dich!
      Söckchen

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