144. Text_Abschied und Neubeginn

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Liebe Blogbesucher!

Der Titel meines Blogs sagt es schon, ich habe einen Abschied hinter mir.
Nein, ich habe ihn nicht hinter mir, ich stecke mitten in ihm drinnen.
Und es tut weh, sehr weh.

Seit Montag ist eine Begegnung vorbei, die mich 12 Jahre begleitet hat.
Doch wir waren nicht achtsam genug, trotz all der guten Vorsätze, nie den Alltag zu sehr Einfluss nehmen zu lassen, die Bequemlichkeit, Das Gewohnte, Oberhand gewinnen zu lassen, sind wir unachtsam geworden.
Nun haben sich unsere Wege getrennt … und es schmerzt, es schmerzt so unendlich.

Dann kommen Gedanken auf, ob wir nicht gerade den größten Fehler unseres Lebens machen.
Ob es nicht doch einen anderen Weg gegeben hätte.
Dann frage ich mich, ob wir zu schnell aufgegeben haben.

Und ich stolpere in die Fallen, dass ich ihm das schreibe, dass es vielleicht ein Fehler war.
Und er antwortet nicht darauf.
Ich weiß, er muss sich jetzt vor mir schützen.
Ich sollte mich vielleicht auch mehr schützen.
Andererseits, wenn ich nicht in meinen Schmerz hineinspüre, dann vergrabe ich den doch nur, dann setze ich mich wieder nicht damit auseinander.

Der Weg, den wir die letzten Jahre miteinander gegangen sind, ist an einer Gabelung angekommen, an der wir beide zum Entschluss gekommen sind, dass jeder seinen eigenen Weg weitergeht.
Ich denke, wenn das Leben es will, wird es unsere Wege vielleicht wieder zusammenführen.

Ich weiß nicht, wie sehr meine Erkrankung, die Therapie und all ihre Folgen da Einfluss genommen haben.
Es kommen schon Gedanken auf, ob es ein Fehler war, die Antihormontherapiebegonnen zu haben.
Nun gebe ich meinem Leben mehr Jahre (statistisch gesehen), aber momentan habe ich das Gefühl, dafür den Jahren das Leben zu nehmen.

Gestern hatte ich meinen Kontrolltermin beim Gynäkologen, der mich mit der üblichen Frage: „Wie geht es Ihnen?“ begrüßte
und ich antwortet: „Bescheiden. Gestern ging meine Beziehung zu Ende.“
Er war sehr betroffen und sagte: Zu all dem körperlichen Leid nun auch ein seelisches.
Daraufhin meinte ich: Ja, ich hadere auch mit der Therapie und es gibt Zeiten, da bin ich sehr therapiemüde.
Ich hab ihm die Spritze gegeben, die ich noch dieses Jahr alle 12 Wochen bekomme.
Er hat sie nachdenklich aus der Verpackung geholt und gemeint: Ja, es ist ein Wahnsinn, was Ihrem Körper angetan wird.
Diese Spritze bringt ja den gesamten Hormonhaushalt durcheinander. Ihr Körper ist sehr gefordert, mit dem allen umzugehen.
und natürlich auch Ihre Psyche und es fordert schon einiges von Ihrem Körper und auch von Ihnen als Person.

Jedenfalls waren die Untersuchungen dann ohne Befund, den Krebsabstrich schickt er wie immer ins Labor.

Ich habe mich die letzten Tage intensiv mit mir und dem, was sich da in letzter Zeit an Problemen in der Beziehung aufgetan hat, sehr intensiv auseinandergesetzt. Solche Lebensabshcnitte haben ja auch das Positive, dass man dann sehr ehrlich zu sich wird, also ich zumindest.
Da bin ich auch auf Vieles gestoßen … auch darauf, dass ich in MEINEM Leben noch nicht wirklich angekommen bin.
Es geht sicher darum, dass ich mich auch von meinem Elternhaus mehr abnabele.
Klingt komisch bei einer Frau, die bald ihre Lebensmitte erreicht.
Aber es ist so.

Meine Kinder erleben gerade eine sehr ehrliche Mutter, die auch sagen kann, dass es ihr dreckig geht, dass ihr manches zu viel wird, dass sie nicht alles schafft, auch wenn es manchmal so aussieht. Die weint.

Die letzten beiden Tage habe ich auch 2 Kilo abgenommen, weil ich einfach keinen Hunger habe.
Es kracht schon der Magen und ich merke, wie ich zittrig werde, aber ich schaffe keinen Bissen zu schlucken.

Und weil ich erfasst habe, dass ich etwas für mich tun muss, und mich schon länger der Gedanke begleitet, dass ich konditionell wohl zu schwach bin, Aggression abzuwehren, habe ich meine Fühler bzgl. Selbstverteidigung ausgestreckt. Ich bin auch erzogen nach dem Motto: „Bleib immer höflich, nicht wehren, reden“, habe ich es auch als Jugendliche nicht geschafftm, die Männer in der Straßenbahn, die sich an mich randrängten  in ihre Schranken zu weisen. Ich bin wie der Hase vor der Schlange paralysiert in Schockstarre verfallen.
Aggressionsunterdrückung, sich nicht wehren.
Ich habe Angst davor, weil ich nicht weiß, ob ich dann überziehe, weil es dann einen moment gibt, wo es einfach aus mir herausbricht und ich keinerlei Erfahrungen sammlen konnte, was angemessen ist.
Und bevor ich was falsch mache, mache ich es gar nicht. Das ist auch nicht der heilsame Weg.

Ich werde morgen am Abend eine Schnupperstunde Selbstverteidigung (nennt sich Wing Tchun Kung Fu) machen.
Das Institut, das das anbietet, wird von einem Diplompsychologen geleitet und der Ansatz ist nicht nur, die körperliche Selbstverteidigung, sondern auch im mentalen Bereich zu lernen, seine Grenzen zu setzen, diese zu „verteidigen“, Motto: Lernen Sie die Technik des inneren Wachstums zur Persönlichkeitsentfaltung.

Neben dem Beziehungsaus habe ich noch kleinere Baustellen, wie einen Wasserfleck im Schlafzimmer, einen Autoaußenspiegel, dem das Glas heruntergegangen ist, aber Gott sei dank noch ganz ist. Spurwechsel ist  momentan heikel, weil es der auf der Fahrerseite ist. 😦
Sind alles Kleinigkeiten und auch schon die „Problemlösung“ organisiert.
Aber es ist mühsam.

Dafür habe ich die „Baustelle“ neue Außenlampe erledigt.
Die bisherige hat mich die letzten Monate schon sehr geärgert, weil sie das bissel Licht der Energiesparlampe aufgrund ihrer Konstruktion auch noch hinauf und nicht hinunter geschickt hat. Es war sehr mühsam, bei Dunkelheit das Schlüsselloch zu finden.
Ich habe mir jetzt eine neue gekauft, die ist zwar aufgrund ihres designs und der 32 LED-Lamperl sehr nüchtern, aber sie strahlt so hell,
es ist eine Freude.
Ich komme beim Gartentor herein und schon ist es hell. 🙂
Mein Bruder hat sie mir montiert und ich war quasi der Azubi, der die Werkzeuge gereicht hat.
Nach den warmen Wintertagen mit Plusgraden haben wir natürlich just den Sonntag erwischt, an dem es kalt wurde und dann auch noch Schneefall eingesetzt hat.
Die Finger sind uns ganz schön klamm geworden.
Aber es hat alle auf Anhieb funktioniert. Sicherung rein und es wurde hell.
Die Feinjustierung bzgl. Lichtdauer und bei welcher Dämmerungsstufe sie angeht und auch ab wo sie Bewegung erfasst, habe ich nach ein paar Tagen mit „Erfahrungswerten“ eingestellt.

Heute habe ich noch einen Urlaubstag, morgen geht es wieder in die Arbeit.
Von Samstag auf Sonntag habe ich mein Enkelkind bei mir.

Als meine Schwiegertochter anfragte, ob die Betreuung möglich wäre, war ein bissel ein Schreck in mir, weil mir bewusst war, wenn meine Beziehung wirklich zu Ende geht, dann stehe ich dieser Herausforderung zum ersten Mal alleine gegenüber.
Aber ich bin guter Hoffnung, dass ich es auch alleine schaffe.

Es wird die nächste Zeit sicher Momente geben, in denen mich die Trauer überwältigen wird, jene, die mich zuversichtlich machen.

Es wird,
es wird nicht leicht,
aber es wird werden.

Liebe Grüße von einer derzeit sehr zerknitterten
Patentsocke

 

 

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  1. Liebe Patentsocke, gerade dachte ich- ob wohl was neues dort geschrieben steht!!!

    scheinbar hat mir ein Engelchen das ins Ohr geflüstert ;))

    hab mir das mal gedruckt… und lese es abends genau durch (da ich nur im Büro und im Handy zur Zeit Mails lesen und beantworten kann)

    – ich weiss wie sehr eine Trennung körperlich schmerzt.
    Das fühlt sich an- als würde „jemand“ das Herz rausreissen.

    Alles Liebe für Dich
    – liebe Gedanken von der Christel

    ich melde mich wieder.

    Bitte führe Deine Behandlung weiterhin durch: für Dich für Dich für Dich für Dich
    =============================================================

    Damit habe ich selbst keine Erfahrung (Gottseidank)- bekomme es im Umfeld- (Schwester / Kollegin ) mit.

    Es lohnt sich….. !!!!!

    herzlichst Christel

  2. Liebe Christel!

    Danke für deine Zeilen! 🙂
    Ja, ich mache gerade alle Phasen des Liebeskummers durch.
    Und die Behandlung werde ich weiter durchführen – die Spritzen bekomme ich jetzt nur noch bis Ende des Jahres, danach sollte es besser werden, meint mein Arzt, weil die Östrogenproduktion dann nicht mehr so total unterdrückt wird.
    Ich weiß halt nicht, wie viel momentan wirklich die wahre Patentsocke ist und wie viel die Therapie sich da „einmischt“.
    Klar, die Therapie gehört nun mal noch für eine Zeit zu mir, also ist das auch Patentsocke, aber ob manche Handlungsweisen, Wünsche, Unzufriedenheiten wirklich aus mir heraus kommen oder durch die Therapie verursacht werden … das ist mir nicht klar.

    Freu mich schon auf dein nächstes Melden. 🙂

    Liebe Grüße
    Patentsocke

    • Meine Meinung ist, dass ein Mensch durch eine soo schwere Erkrankung „anders“ wird
      Da hast Du Gedanken im Kopf- die sicherlich kein Mensch – der diese Krankheit nicht hat oder hatte nachvollziehen kann.

      Habe alles bei meiner Schwester mitbekommen. Natürlich kenne ich ihre inneren Gedanken nicht- habe allerdings auch manchmal meinen Schwager gefragt- wie es ihm jetzt (damals) mit dieser Situation geht.

      Ist vermutlich für beide Partner in einer Beziehung nicht so einfach.

      Aber hier geht es um Dich.

      Tschüss Patentsocke – sagt die Rentnerin..
      die heute mit einer Stippvisite im Büro fertig wird.
      – ich arbeite gerne mal ab und zu – und dann tut mir die Freizeit wieder gut.

  3. Liebes Söckchen,

    ich weiß leider sehr genau wie schmerzhaft so eine Trennung sein kann. Ich hoffe Du kommst gestärkt und neu orientiert wieder raus.
    Was Du von dem Selbstverteidigungskurs beschreibst, klingt klasse und tut sicher gut.

    Ich habe mich auch erst mit 40 vom Elternhaus zwangsentnabelt. Aber Hauptsache überhaupt.

    Ich wünsche Dir ein paar schöne Dinge, die Dich ein wenig von dem Mist ablenken.

    lieben gruss
    sue

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