72. Text_Reha & der Alltag holt mich ein

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Liebe Blogbesucher!

Nur noch wenige Tage und ich reise von hier wieder ab. 😦
Ich gebe zu, ich habe dabei ein lachendes und ein weinendes Auge, denn ich freue mich auch schon auf zu Hause und meine Lieben und gleichzeitig ist mir bewusst, dass der schwierige Teil jetzt erst beginnt.
Weil sich nämlich alle meine guten Vorsätze und Einsichten dann im Alltag bewähren müssen.

Gerade eben telefonierte ich mit meiner Mutter, die mich an meinen Vater weitergab und während des Übergebens des Handys hörte ich, wie sie sich angifteten.
Sie besuchen mich am Wochenende und ich merke, wie ich absolut keine Lust darauf habe, ihre Zänkereien zu ertragen.
Na dann sag ihnen das und verabschiede sie, falls sie miteinender zoffen, höre ich schon die meisten von euch sagen.
Das sagt mir ja auch mein Inneres.
Und dann meldet sich da die Stimme, die sagt, dass ich nicht so hart sein kann und außerdem haben sie meine Kleintochter mit, die ich dann quasi auch heimschicken würde.
Und es wird mir bewusst, dass ich einen Weg finden muss, der es mir gestattet, mich auch im Alltag dem Einfluss meiner Eltern genügend zu entziehen. Da geht es nicht nur um Streitereien, sondern auch um Vereinnahmungen.
Das wird ein hartes Stück Arbeit!

Für den beruflichen Alltag habe ich bereits von hier aus ein paar Weichen gestellt, indem ich meine Kollegin bat, eine Unterstützungskraft während ihrer beiden Urlaubswochen zu organisieren und ich für meinen Sommerurlaub auch schon eine Vertretung organisiert habe.
Darüber hinaus wird es natürlich noch ein paar andere Grenzziehungsmomente geben.
Nicht nur den KollegInnen gegenüber, sondern auch mir selber: Dass ich nicht jeden Tag Mehrstunden machen muss, dass ich mir auch meine Gutstunden mal nehmen kann, dass ich nicht für alles verantwortlich bin, das heißt nicht alles umhängen lasse etc.

Beim Vortrag über „Umgang mit Erschöpfung“ wurden drei Glaubenssätze genannte und als die Psychologin gefragt hat, ob sich da wer bei dem einen oder anderen wiederfindet, musste ich heftig nicken: Ich habe mich bei allen drei gefunden:

Ich muss alles alleine erledigen.
Ich bin für alles verantwortlich.
Ich muss immer für die anderen da sein.

Und weil das noch nicht genügt, fragte sie auch, ob jemand den Ausspruch: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ kennt.
Na und wie!!!
Mit dem bin ich ja aufgewachsen. Heim von der Schule, Mittag esssen, Aufgabe machen, lernen und wenn dann noch Zeit blieb, dann durfte ich spielen gehen, lesen …
Und nach der Maxime gehe ich heute noch vieles an.
Erst gehören die Handgriffe im Haushalt/Garten erledigt und dann darf ich ausspannen/erholen.
Dann passiert es z. B., dass der Meinige schon beim Frühstück sitzt, das wir vereinbarten, gemeinsam einzunehmen, und ich  inzwischen die Wäsche in die Waschmaschine gebe, das Katzenkisterl mache, Bügelwäsche zusammenlege …
Und dann darf ich mich hinsetzen … da ist der Meinige natürlich schon fertig. Er will ja keinen kalten Espresso trinken.
Gar kein Problem, all diese Handgriffe nach dem Frühstück zu machen, aber das alte Muster schlägt zu.

Aber jetzt bin ich kein kleines Kind mehr und abhängig von meinen Eltern, sondern kann frei entscheiden, wie ich lebe.

Apropos Katzenkisterl:
Mein Kater hat es vorgezogen meine Reha zu nutzen, sich anscheinend auch ein anderes Platzerl zu finden. 😦
Er war schon vor meiner Reha 2,5 Tage weg und ich machte mir schon Gedanken, als er in der Nacht vor meiner Abreise wiederkam und am Morgen in seinem Katzenbett lag. Wir haben dann noch ordentlich geschmust, dann musste ich fahren.
Einen Tag blieb er zu Hause und dann war er wieder 3 Tage fort, kam wieder, fraß wie ein Verrückter und schlief 1,5 Tage, kam und ging die nächsten Tage mit immer größeren Abständen des Heimkommens.
Und seit einigen Tagen ist er nicht wieder gesehen worden.
Der Meinige meinte, bei seinem letzten Besuch lief unsere Katze (sie sind ja gemeinsam in meinem Hauhalt eingezogen und haben viel miteinander gekuschelt und einander abgeschleckt) auf ihn zu, aber er hat sie „abgewiesen“, sie nicht an sich rangelassen, worauf sie sich zurückgezogen hat und dann schlief jeder für sich.
Tja, und dann war er am nächsten Morgen fort.
Ich weiß, dass Katzen ihr Eigeneleben haben und wenn sie das Geringste stört, ziehen sie ihre Konsequenzen.
Ich bin jetzt gespannt, ob er zurückkommt, wenn ich kommende Woche wieder zu Hause bin oder ob er sich endgültig einen anderen Fressnapf gefunden hat.
Ja, dass ihm was passiert ist, das kann ich natürlich auch nicht ausschließen …, aber an das mag ich jetzt gar nicht wirklich denken.
Er ist gechippt, also wenn jemand Vernatwortungsvoller ihn findet und zum Tierschutzhaus oder einem Tierarzt bringt, sollten die ihn anhand der registrierten Nummer mir zuordnen können.

Kann doch nicht sein, dass mein „Neu“Anfang mit dem Verlust meines Katers einhergeht. 😦

Liebe Grüße
Patentsocke

»

  1. Ach, ich hoffe so sehr, dass Dein Kater bei Deiner Rückkehr wieder auftaucht. Diese Ungewissheit ist schwer zu ertragen. Wenn ich denke, dass eine meiner beiden Chaoten plötzlich verschwinden würde, ich weiss nicht wie ich das aushalten würde.

    Für Deine Vorsätzte wünsche ich Dir ein gutes Gelingen beim Umsetzten. Sei nicht zu streng mit Dir selber, bei deinen Mitmenschen bist Du sicher sehr viel toleranter.

    Nein, ich sage Dir nicht, dass Du Deine Eltern wieder nach Hause schicken sollst, aber Du sollst Dein eigenes Leben leben lernen. Das wird Dich viel Energie kosten, aber mit der bereits von Dir organisierten Hilfe wird Dir das ganz sicher Schritt für Schritt gelingen.

    Sei lieb gegrüsst
    Ursula

  2. Liebe Ursula!

    Ich hoffe so sehr, dass er nach meiner Rückkehr auch wieder auftaucht.
    Ich werde zu Hause bestimmt sehr nervös immer wieder nachschauen, ob ich ihn nicht irgendwo entdecke.
    Ich weiß, ich darf mich jetzt auch nicht stressen, alles gleich richtig/anders zu machen und auch beim Freizeitsbewegungsprogramm jetzt nicht da einen Stress draus machen.
    In all den Dingen bin ich jetzt gefordert, eine gute Balance herzustellen.
    Ja, diese Abnabelung hat bestimmt noch viel zu wenig stattgefunden.
    Und ich hoffe, dass mir das mit der psychotherapeutischen Unterstützung gelingt.

    Liebe Grüße!
    Patentsocke

  3. Liebes Söckchen,

    ich freue mich, dass Du so viel aus Deiner Reha mitnehmen kannst.
    Ich drücke die Daumen für die Rückkehr Deiner Fellnase und dafür, dass Du Deine neuen Erkenntnisse, entspannt und stressfrei umgesetzt bekommst.
    Das ´Elternproblem` kenne ich auch, aber ich habe das ganz kurz und konsequent, ein für alle Mal abgestellt. Da muß jeder seinen eigenen, für sich richtigen Weg finden.

    lieben Gruss
    sue

    • Liebe Sue!
      Ja, ich bin äußerst dankbar für diese 3 Wochen! 🙂
      Meine Fellnase kam heute in der Nacht zurück, mehr dazu in meinem Blog.
      Das mit meinen Eltern bereitet mir ein bissel Kopfzerbrechen, aber ich werde da wohl auch noch meinen Weg finden.
      Liebe Grüße
      Söckchen

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