69. Text_Reha-Zwischenbericht

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Liebe Blogbesucher!

Nun bin ich also bereits den 4. Tag hier, mittlerweile kenne ich mich mit dem Ablauf hier auch schon ganz gut aus.
Ich „arbeite“ täglich meinen Therapieplan ab.
Bis jetzt haben mir alle Therapien und Vorträge sehr gut getan und gefallen.
Und ich merke in der Ruhe und Zeit, die ich hier habe, in dem Bei-mir-Seins, dass ich bis jetzt etwas tief in mir begraben habe.

Bei der Progressiven Entspannung liege ich und plötzlich steigen die Tränen auf.

Keine Ahnung warum. Da ist wohl was in mir drinnen, das raus will.
Aber will ich es rauslassen?
Ich hab Angst davor, Angst, dass ich damit nicht umgehen kann,
Angst, dass es zu weh tut,
Angst, dass es zu massiven Veränderungen kommt, wenn ich ans Tageslicht lasse, was da in mir drinnen steckt.
Aber trotzdem bahnt es sich schön langsam seinen Weg.
Es hat auch damit zu tun, dass ich meinem „inneren Kind“ endlich Aufmerksamkeit zukommen lasse, dass ich etwas tue, das ihm/mir gut tut.
Vor allem bei solchen Themen kommen die Tränen.
Ich sitze und warte auf die Psychologin neben so Klangrohren, in deren Mitte eine Holzkugel hängt und wenn man die auch nur ganz zart bewegt, beginnt sie die Rohre zum Klingen zu bringen.
Und ich sitze im Sessel und bekomme feuchte Augen, etwas rührt sich in mir.
Hatte gehofft, dass das Psychologische Einzelgespräch mir da ein bissel weiterhilft.
Aber im ersten ging es quasi  ums Kennenlernen.
Außerdem dauert es nur 30 Minuten …
Vielleicht komm ich beim nächsten am Montag mehr in Kontakt mit dem, das sich mir mitteilen/offenbaren möchte.

Heute hatte ich mit anderen einen Vortrag über Stressbewältigung und es kam zu einigen Wortmeldungen und damit zu einem Austausch zwischen uns Kurenden.
Am Gang dann kam ich mit zwei Mitbetroffenen ins Gespräch und eine davon spiegelt mir total wider, wie mein Umgang mit mir und der Erkrankung bisher läuft.
Sie hat auch nach der Brust-OP, Strahlentherapie und Antihormontherapie wietergemacht wie bisher.
Beruf und Haushalt geschupft, für alle dagewesen, als ob nichts wäre und hat nicht akzeptiert, dass sie krank ist.
Und nun hat sie Metastasen in den Knochen und der Leber, verabreicht sich selbst mittels Tabletten die Chemotherapie.
Das alles nur mehr lebenserhaltend, da ist keine Heilung mehr möglich.
Sie ist ein Jahr jünger als ich.
Und sie meinte, sie hat diesen zweiten Klescher gebraucht, um wirklich zu begreifen, was sie verändern soll.

Das gibt zu denken.

Ach ja, falls es eine von euch interessiert, wo genau ich zur Reha bin, dann schreibt mir bitte eure persönliche Mailadresse, damit ich euch antworten kann.
So öffentlich will ich das hier nicht tun.

Liebe Grüße
Eure Patentsocke

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  1. Meine liebe Socke, Du sprichst mir aus der Seele, ich kenne das auch, in mir ist auch was und es hat mit enormer Trauer zu tun. Aber ich glaube, Du brauchst keine Angst haben, dass da was kommt, womit Du nicht umgehen kannst, weil es kommt immer nur so viel, wie wir grad tragen können.

    Ich hab doch mal ein Buch gelesen, habe den Namen des Autors vergessen, ein Schweizer Arzt, der schrieb schon in den 80er Jahren, dass Brustkrebs viel mit Trauer zu tun habe.

    Nun gut, wir gehen unseren Weg. Weiter machen wie bisher? Nein, ich will es nicht. Ich will es einfach nicht. Das macht mich auch wieder traurig, weil es mit Abschied zu tun hat. Aber es geht auch nicht mehr, es macht mich ja nachweislich krank.

    Erhole Dich noch gut, berichte, denn es ist spannend, was Du schreibst. Lass Dich pflegen und heule los, egal ob bei Holzkugeln oder sonstwas, ich mach das auch, weil da ist was, und das soll kommen!! Es kommt sowieso. Und bitte nicht mehr als Tumor!! Ich fange diesen Monat noch meine Therapie bei der Psychoonkologin an, das war mir ja gleich klar, als der Krebs entdeckt wurde: jetzt oder nie!!

    Alles Liebe und Gute aus dem Neanderthal!!
    Gabi

  2. Liebe Gabi!

    Danke für deine Zeilen.
    Ich bin halt eine, die Tränen nur sehr schwer zulassen kann, denn stark sein ist die Devise, Zähne zusammenbeißen …
    Aber jetzt ist anscheinend die Zeit gekommen, dass ich anders mit mir und dem, was mir begegnet, umgehe. Es ist nur so ungewohnt und macht auch Angst.
    Ja, ich denke, du hast recht, wenn du meinst, dass nur das an die Oberfläche kommt, mit dem wir auch umgehen können. Sonst ließe das Unterbewusstsein es ja gar nicht an die Oberfläche steigen.
    Ich hoffe, dass die Tage hier mich soweit bringen, dass ich so Zugang zu diesem Inneren bekomme, dass ich, zurückgekehrt in den Alltag, nicht gleich wieder in die alte Rolle falle und die gewohnten Gleise befahre.

    Liebe Grüße!
    Socke

  3. Liebes Söckchen,

    schön das Du die Zeit für Dich und das was wichtig ist nutzen kannst.
    Das mit dem Tränen zulassen, mußte ich auch erst lernen und kann es auch heute nicht wirklich gut. Ich denke das ist auch ein bisschen Typsache.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du mit allem gut weiter- und vorankommst.

    lieben gruss sue

  4. Liebe Sue!

    Ja, ich tue mir sehr schwer, die Tränen kommen zu alssen oder gar vor jemand anderem zu weinen.
    Das macht mich so verletzlich. Kann das jetzt nicht anders ausdrücken.
    Und ich nutze die Zeit hier und hab heute schon innerlich gejubelt, dass ich noch volle 2 Wochen hier sein darf.
    Es tut soooooo gut, dass ich mal wirklich Zeit ganz exklusiv für mich habe.

    Ganz liebe Grüße
    Söckchen

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