265. Text_Zurück aus Liverpool

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Liebe Blogbesucher!

Gestern kamen wir nach unserer 4-tägigen Städtereise nach Liverpool wieder in der Heimatstadt an.
Die Stadt ist durchaus besuchenswert und hat uns für diese Tage eine ganze Menge Programm geboten.
Aber Manchester hat uns beiden voriges Jahr besser gefallen.
Liverpool hat einen raueren Charme als ihre Nachbarstadt. Ich habe auch eine ganze Menge Obdachloser gesehen, die dort in den Einkaufsstraßen in ihren mit Pappkarton, Decken und Schlafsack ausgekleideten Nischen lagern. Manche haben es zu einem Campingzelt gebracht, in dem sie auf Leerstandsgeländen „wohnen“.
Angeblich sprechen die Liverpudlians – wie sie sich selbst nennen – Englisch. Es ist aber nicht das Englisch, das ich in der Schule gelernt habe. Oft verstehen Herzensglück und ich sie erst bei der 3. oder 4. Nachfrage, wenn sie deutlich langsamer und akzentuierter sprechen.
Wir waren auf dem Crosby Beach 9 Kilometer außerhalb von Liverpool, wo 100 Metallfiguren stehen, die der Künstler Gormley als Abbild seines Körpers geschaffen hat und die dort entlang von 3 Kilometern am Strand stehen. Manche nah der Promenade, andere draußen am Meer und es sieht nur ihr Kopf aus dem Wasser oder – je nach Ebbe und Flut – auch der Oberkörper …
Wir haben die Innenstadt durchwandert, haben den 100 Meter hohen Dom der mächtigen Kathedrale erklommen (per Lift und Stiegen), waren in Sefton Park, haben diverse Museen besucht – u. a., wie könnte es anders sein 🙂 – das Beatles Museum.
Am letzten Abend traten wir genau in dem Moment aus dem Lokal, in dem wir gegessen hatten, als die Sonne unterging und die Stadt in eine wunderschöne Farbstimmung tauchte und die Kathedrale mit ihren dunkelroten Ziegeln erstrahlte.
Herzensglück hat jede Menge Fotos gemacht und war von den diversen Motiven, die sich geboten haben, ganz begeistert.

Es sind schöne Eindrücke, die wir wieder gewonnen haben.
Und wir haben die Zweisamkeit außerhalb unserer 4 Wände genossen, sind Hand in Hand durch die Stadt spaziert, haben viel gelacht und uns gemeinsam an diversen Momenten erfreut.

Es grüßt euch eine herzensglückliche Patentsocke

 

 

 

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264. Text_Frühlingszeit

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BuddhaLiebe Blogbesucher!

Das Wetter der letzten Wochen war einfach großartig.
Herzensglück und ich haben unseren Garten auf Vordermann gebracht.
Wahnsinn, wie schnell sich in 2 Wochen eine Böschung aus dem Winterschlaf mit kargem Anblick in eine grüne und blühende Fläche verwandelt.
Unserer Buddha-Statue haben wir nun einen Schlitzahorn als Hintergrund geschenkt und davor eine Schale für die Räucherstäbchen gesetzt.
Das ist jetzt unsere kleine Asien-Oase. 🙂

Vorige Woche war ich bei der jährlichen Mammografie-Kontrolle und die Aussage der Ärztin nach  Mammografie und Ultraschall lautete: Alles bestens, möge es so bleiben. 🙂
Die Chancen stehen also gut, dass Herzensglück und ich unser Vorhaben, „Wir bleiben beisammen bis 87,5 Jahre und älter“, in Erfüllung geht.

Kommende Woche fliegen wir nach Liverpool. Also eigentlich fliegen wir nach Manchester und nehmen von dort den Zug nach Liverpool.
Ich bin schon sehr gespannt auf die Stadt. Laut dem, was ich gelesen und mir im Internet angesehen habe, scheint dies eine sehr vielfältige und spannende Stadt zu sein.
Ich werde euch berichten.

Kleintochter ist emsig und interessiert am Studieren und plant, Ende des Monats nach den letzten Vorlesungen mit ein paar Freunden zu ihrem Freund nach Griechenland zu fliegen.

Enkelkind Nummer 4 wird  in ca. 14 Tagen erwartet und ich bin schon gespannt auf diesen neuen kleinen Erdenbürger.

Das Leben wächst und sprießt also rundum.

Herzensglück und ich sind noch immer glücklich und genießen unser Beisammensein.
Es ist so wunderbar und ich „erwische“ mich oft am Tag, wie ich liebevoll an ihn denke, mir gemeinsame Momente einfallen und im Bauch sich dann ein wohlig-warmes Gefühl ausbreitet.
Liebe  …

Es grüßt euch eine herzensglückliche Patentsocke

263. Text_Wieder zurück

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Liebe Blogbesucher!

Gute 4 Wochen waren wir auf Reise.
Eine Reise, die uns viele verschiedene, interessante Eindrücke und Begegnungen beschert hat.
Es war eine Reise in teilweise andere Lebenswelten.

Und sie lässt mich bzgl. des Landes Vietnam sehr zwiespältig zurück.
Einerseits haben wir viele wunderschöne Landschaften gesehen, sehr nette Begegnungen mit hilfsbereiten. herzlichen Menschen gehabt.
Und da gab es auch die Momente, in denen wir mit den harten Realitäten des Landes und seiner Traditionen konfrontiert waren.

Zum Beispiel komme ich mit dem Umgang mit Tieren dort gar nicht zurecht.
Dass Hunde und Katzen dort gegessen werden, wusste ich schon.
Aber in einer Stadt wie Hanoi auf der einen Straßenseite künstlerisch gestaltete Hauswände zu sehen, vor denen sich Menschen in allerlei Posen abbilden lassen und gegenüber liegt auf einer Theke ein Hund, der gegrillt wurde und von dem schon ein paar Scheiben abgeschnitten wurden.
Da prallen für mich Welten aufeinander.
Hunde in viel zu kleinen Käfigen.
Ein strangulierter Hund an einer Haustüre, der im Laufe des Tages auch noch als Speise dient.
Das Land ist laut.
Der Verkehr unbeschreiblich. Hunderte Mopeds bevölkern die Straßen, alle motorisierten Verkehrsteilnehmer hupen, um auf sich aufmerksam zu machen.
Die Menschen lieben das Karaoke-Singen.
Vor allem an den Wochenenden (Freitag bis Sonntag) werden in den Straßen einfach Plastiksessel und Tische aufgestellt, dazu eine riesengroße Anlage,  und schon wird die ganze Umgebung beschallt.
Ein mit der Kultur Vertrauter meinte, dass  diese Lautstärke für die Menschen Freiheit und Sicherheit bedeutet. Wenn man sich verstecken muss vor Feinden, dann ist man leise, um nicht aufzufallen, aber wenn man nichts zu befürchten hat, dann kann man laut sein. Das ist Freiheit.

Wir haben wunderschöen Landschaften gesehen und trubelige Großstädte wie Hanoi und Saigon erlebt.
Wir sind Menschen begegnet, die einen in ihren Laden ziehen, damit man nur ja etwas kauft, die einen permanent ansprechen, keine Ruhe lassen, kein Nein akzeptieren, bis man wirklich schon unhöflich wird.
Man sitzt in einem Lokal straßenseitig und es bauen sich Verkäufer vor einem auf und reden auf einen ein, präsentieren ihre Waren und selbst wenn man Nein sagt und deutet und dann schon gar nicht mehr reagiert, dauert es  lange, bis sie weiterziehen.
Menschen, die einen unbedingt irgendwohin fahren wollen.
Und dann haben wir wieder Menschen getroffen, die einen ohne Hintergedanken angesprochen haben und helfen wollten, wenn man nach dem Weg gesucht hat.
Ein Mann, der uns uneigennützig geholfen hat, als wir mitten auf der Landstraße, knapp vor einem 10-Häuser-Dorf, ein Loch im Mopedreifen hatten.

Der Hotelmanager, der nach den oberflächlich höflichen Worten sein Dienst-Namensschild abnimmt und  sehr persönlich erzählt. Z. B. vom Massaker der Roten Khmer in seinem Dorf, dem er und seine Eltern nur entkommen sind. weil sie knapp davor das Dorf verlassen haben, da seine Eltern so eine Tat kommen sehen haben. Bis auf 2 Personen hat keiner des Dorfes überlebt.
Und er erzählt, wie sie damit umgehen lernten, dass alle Nachbarn und Freunde tot waren, als sie wieder zurückkamen.

Ich kann nun die Aussage meines Herzensglücks verstehen, der meinte, es kommt bei seinen Reisen in Vietnam immer der Punkt, wo er genug vom Land hat und sich denkt, er hat damit abgeschlossen. Und wenn er dann einige Zeit wieder zu Hause ist, dann kommt der Gedanke, wieder in dieses Land zu reisen.
Es stößt einen ab und zieht einen auch an.
Mir geht es auch so.

***

Nun hat mich das Arbeitsleben wieder.
Der Frühling ist eingekehrt und ich kann wieder im Garten arbeiten.
Kleintochter hat das für sie richtige Studium gefunden und ist ganz motiviert.
Herzensglück hat den Roller aktiviert und wir werden an den schönen Tagen wieder kleine Ausflüge in die Umgebung machen.

Und Mitte Mai steht dann unser 4-Tage-Aufenthalt in Liverpool an.

Und das Allerschönste ist: Wir haben die 4 Wochen, in denen wir permanent beeinander waren, als sehr angenehm empfunden. Wir haben wirklich den gleichen Rhythmus.
Und in mir – und das ist auch bei meinem Herzensglück so – ist ein sehr tiefes inniges Gefühl der Liebe. Schön ist das.

Es grüßt auch eine herzensglückliche Patentsocke

 

262. Text_Bald beginnt die Reise

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Liebe Blogbesucher!

Kommende Woche starten Herzensglück und ich unsere Reise nach Vietnam.
Vier Wochen werden wir vom Norden bis ins Megkong-Delta im Süden unterwegs sein. Mit dem Nachzug, einem Führer samt Auto, mit dem Bus, mit dem Flieger.
An manchen Orten werden wir uns einen Roller ausborgen und die Umgebung erkunden.

Wir starten in Hanoi, wo wir uns die Stadt ansehen werden und am ersten Tag  mit einem Studenten durch die Altstadt gehen werden.
Die kostenlosen Touren sind ein Projekt der Uni, damit die Studenten Englisch im Alltag praktizieren können und die Touristen etwas von der Stadt kennenlernen.
Nach 3 Tagen geht es dann per Zug 30 Kilometer weiter zu einem Freund, der in Vietnam lebt und ein gemeinnütziges Projekt betreibt, das sehbehinderten bzw. blinden Kindern aufgrund der von ihm gesammelten Spenden und seines Engagements (Aufbau von Räumen, Beschaffung von Material, Betreuung …) eine Ausblidung ermöglicht.
Herzensglück hat ein Patenkind (also mittlerweile schon jugendlich), das wir auch besuchen werden.

Weiter geht es in die Trockene Halongbucht in ein Homestay, wo wir bei zwei Frauen unterkommen, von der eine unsere Sprache spricht und die uns daher sehr viel zu Land und Leuten erzählen kann.
Sie bieten auch einen Kochkurs an: Man kauft am Markt ein, besucht eine Kräuterbäuerin in der Nachbarschaft, bereitet die Speisen zu und isst dann gemeinsam mit den Mitköchen.
Anschließend fahren wir mit dem Nachtzug, einem sogenannten Soft Sleeper, nach Hue, die alte Kaiserstadt.
Der Soft Sleeper ist ein Abteil für 4 Personen: 2 schlafen oben, 2 unten.
Ich bin schon auf unsere Mitreisenden gespannt.
10 Stunden dauert die Fahrt nach Hue, wo wir am Morgen ankommen.
Wieder stehen diverse Besichtigungen auf dem Plan, unter anderem wollen wir mit einem gemieteten Roller zu den Königsgräbern fahren.
Nach 4 Tagen wird uns ein Führer, den Herzensglück noch von seiner dreimonatigen Reise vor 3 Jahren kennt, mit dem Auto abholen und wir fahren mit ihm über den sogenannten Wolkenpass der Marmorberge bis nach Hoi An.
Auf der Fahrt werden wir eine Übernachtung bei einer Familie einlegen.
In Hoi An sind wir dann mehrere Tage, da wir auch einige Entspannungsmomente am Pool des Hotels einlegen wollen. Wir werden wieder einen Roller ausborgen und in die Umgebung fahren.
Googelt mal nach Bildern von Hoi An – es sieht vor allem abends mit den bunten Lampions ganz entzückend aus.
Dann geht es mit dem Flieger in den Süden des Landes, ins Megkong Delta. Dort werden wir an zwei unterschiedlichen Orten Quartier nehmen und wieder mit einem Roller die die Gegend bereisen.
Auf der Fahrt mit dem Bus nach Saigon werden wir in Sa Dec, einem kleinen, verträumten Ort, welcher Originalschauplatz des autobiografischen Romans „Der Liebhaber“ von Marguerite Duras ist, Station machen. Wir werden im besagten Haus des Liebhabers, das tagsüber ein Museum ist (da sind wir ja selbst außerhalb unterwegs) übernachten. Am Abend wird himmlische Ruhe einkehren, denn es gibt nur zwei Zimmer, die man mieten kann.
Weiter geht es am nächsten Tag nach Saigon, wo wir 3 Tage bleiben, bevor wir nach Bangkok fliegen, wo wir die letzten 4 Tage unserer Reise verbringen.

Wir freuen uns schon sehr auf diese Reise, die Eindrücke, Begegnungen.
Herzensglück freut sich darauf, mir einige der Orte zeigen zu können, die er vor 3 Jahren bereist hat, als unsere Liebe zu keimen und erblühen begann.

Liebe Grüße von eurer herzensglücklichen
Patentsocke

261. Text_Neues Jahr

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Liebe Blogbesucher!

Wie die Zeit vergeht!
Ist schon eine Weile her, dass ich hier gepostet habe.
Viel ist passiert in diesen Tagen.

Einerseits hat uns eine Verkühlung ganz schön arg in ihren Fängen gehabt.
Herzensglück wurde ein paar Tage bevor es nach London ging krank, erfing sich aber rechtzeitig und wir flogen also für 4 Tage nach London, wo wir eine ganze Menge erlebt haben, die fantastische Weihnachtsstimmung genossen haben, ohne dem Weihnachtstrubel zu erliegen. Und dann noch das großartige Konzert von Robert Plant in der Royal Albert Hall erlebt haben, das ja unser Anlass für die London-Reise war.

Als wir zurückkamen, empfing uns Kleintochter mit (wie sich durch die Diagnose der Hautärztin, zu deren Besuch ich sie gedrängt habe, herausstellte) einer bakteriellen Infektion, die sich mit roten kleinen Flecken auf ihren Hand- und Fußflächen sowie im Gesicht (was sie natürlich am meisten gestört hat) geäußert hat. Sie bekam ein Antibiotikum sowie eine  desinfizierende Salbe und einen Spray.
Eine gute Woche nach unserer Rückkehr bekam ich so starken Husten und Schnupfen mit erhöhter Temperatur, dass ich 3 Tage zu Hause blieb.
Sonntagabend fühlte sich Herzensglück dann krank, 39 Grad Fieber.
Damit er gut schlafen konnte, entschied er sich, ein fiebersenkendes Mittel einzunehmen.
Ich werde um 2.30 munter, weil er unruhig schläft, greife hinüber und merke, dass er glüht. Er ist wach und ich bitte ihn, Fieber zu messen: 40,5 Grad.
Ich mache ihm Wadenwickel und mit seinem Einverständis rufe ich den Notarzt, der auf einen gripallen Infekt tippt.
Ich bleibe 3 Tage bei ihm zu Hause, da er hoch fiebert und Unterstützung benötigt … und am 3. Tag bemerke ich auf seiner Handaußenfläche erste rote Pünktchen, die bis zum Abend mehr und intensiver gefärbt werden. Er also auch.
Die Hausärztin verschreibt ihm das gleiche Antibiotikum wie Kleintochter und bis Sonntag sind die Pünktchen verschwunden.
Nun warte ich darauf, dass ich durch diese 2-fach-Bombardierung auch noch diese Pünktchen bekomme, aber außer Halsschmerzen bekomme ich nichts.

Aber was wir merken, ist, dass uns dieses permanente Kranksein ziemlich am Zahnfleisch gehen lässt und daher ist es auch kein guter Zeitpunkt für den Besuch des griechischen Freundes von Kleintochter, der knapp vor Weihnachten beginnt.
Der junge Mann (schon Ende Zwanzig) trägt sich mit dem Gedanken, in unserem Heimatland beruflich Fuß zu fassen. Er kann aber nicht unsere Sprache, hat keine Unterkunft ….
Die Vorstellungen sind so nebulös und wenig durchdacht und basieren auch auf: Ihr kommt für mich auf, während ich mir was suche.
Wir erklären uns bereit, ihm für 14 Tage Unterkunft zu gewähren, äußern, dass wir nicht auf unbestimmte Zeit Quartiergeber sein wollen.
Die folgenden Tage sind eine Herausforderung für unsere Nerven, da sich ein Haushalt im Haushalt bildet und es zu mehr Unruhe kommt, als wir gewohnt sind.
Da wir die Zeit von vornherein limitiert haben, hat sich Kleintochter eine alternative Wohnmöglichkeit gesucht und so wohnt er nun bei ihrem Vater.
Ende der Woche kehrt er wieder in sein Heimatland zurück, da sich seine Wünsche um einen Job natürlich nicht in dieser kurzen Zeit erfüllt haben, so wie er es sich gedacht hatte.

So waren die letzten Tage des Jahres noch eine große Herausforderung für uns mit vielen Erkenntnissen verbunden mit dem Reflektieren, warum uns diese oder jene Situation so fordert. Und ich habe auch wieder ein Stückchen gelernt, meine Grenzen zu ziehen.
Was wir auch gemerkt haben, ist, wie sehr Herzensglück und ich uns ähnlich sind, wie sehr wir harmonieren, gleiche Lebensziele haben, gleiche Interessen, gleiche Ansichten. Und dass wir sehr gut und ehrlich miteinander kommunizieren können … auch in schwierigen Sitautionen.

Nun ist das neue Jahr hier, noch jung und unbeschrieben.
Es gibt einige schöne Dinge in unserem Kalender, auf die wir uns schon sehr freuen.

Ich wünsche euch ein möglichst gelingendes 2018!
Eure herzensglückliche Patentsocke

 

 

260. Text_6 Jahre!

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Liebe Blogbesucher!

Ich sitze im Wartebereich des Spitals und wartet darauf, aufgerufen zu werden und das Ergebnis der Biopsie zu erfahren.
Innerlich ist mir irgendwie schon bewusst, wie der Befund lauten wird.
Spätestens als der Arzt, der die Biospsie durchgeführt hatte, mich gefragt hat, ob ich bereits den Befundbesprechungstermin hätte und – als ich das bejahte – noch hinzufügte: „Ich möchte meinen Kollegen ja nicht vorgreifen, aber für mich sieht es sehr danach aus, dass das operiert gehört.“
Ich erinnere mich, wie ich damals  am Gang des Spitals alle Informationen zum Thema Brustkrebs zusammengesammelt habe und mich zu Hause daran gemacht hatte, mir alle Informationen zu holen.
Ich wollte informiert sein, wenn ich den Befund bekomme, wollte wissen, welche Fragen ich stellen möchte, wollte herausfinden, was mir wichtig ist zu erfahren …

Das hat auch Unmut hervorgerufen.
Aussagen wie „Du weißt doch noch gar nicht, ob es wirklich so ist, mach dich damit doch nicht jetzt schon narrisch“ hielten mich aber nicht davon ab, meinen Weg zu gehen.
Es ging um mich und wie ich mit der Situation am besten umgehen kann.

Und nun sitze ich hier, beobachte, wie Frauen aus der Türe kommen,  andere hineingehen.
Bald werde auch ich da hineingehen. Und dann wird vermutlich alles anders sein.
Ein paar Minuten trennen mich noch von diesem Moment.
Ich merke, wie mein Handy vibriert, schaue auf das Display und sehe, dass mein ältester Sohn anruft. Ich verziehe mich in eine ruhige Ecke, hebe ab und höre, wie er sagt: „Mama, wir sind im Spital, schon im Kreißsaal, dein Enkelkind kommt wohl bald auf die Welt.“
Ich wünsche ihnen alles Gute, er verspricht, sich zu melden, sobald das Baby auf der Welt ist.
Ich gehe zurück zu meinem Warteplatz.
Zwei Welten: Ich stehe kurz vor einer ziemlich bösen Diagnose, einem neuen Lebensabschnitt.
Mein Sohn auch: Nur sein Lebensabschnitt offeriert Freude und neues Leben.
Und in mir nagt der Zweifel, wie ich es meinen Kindern beibringen soll.
Außer meiner Jüngsten, die meine diversen Untersuchungen mitbekommen hat und mit der ich über das mögliche Endergebnis geredet habe, weiß keines meiner Kinder, was seit Wochen von Untersuchung zu Untersuchung näher rückt.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, es ihnen zu sagen?
Vor allem jetzt, wo alle ganz freudig-aufgeregt sind wegen des neuen Familienmitglieds.
Wie kann ich nur ihre Freude zerstören?
Ich spiele mit dem Gedanken, es ihnen gar nicht zu sagen, aber ich möchte andererseits auch nicht, dass sie es über drei Ecken von irgendjemandem erfahren.

Mein Name ertönt, ich betrete das Untersuchungszimmer.
Eine Assistentin sitzt hinter ihrem Computer, eine Ärztin vis à vis von ihr, schaut auf, gibt mir die Hand und als ich mich gesetzt habe, sagt sie: Frau XY, es ist, wie wir befürchtet haben. Der Tumor ist bösartig. Wir müssen operieren.“
„Ich habe bereits ein paar Skitage mit meiner Jüngsten für Anfang des Jahres gebucht, auf die sie sich sehr freut. Können wir danach operieren?“
„Ihr Knoten ist recht klein, ich frag einmal bei der Oberärztin nach.“
Das, was ich vom Telefonat mitbekomme, lässt mich schon erahnen, dass die Oberärztin so bald als möglich operieren möchte.
„Ok, wenn es nicht nach den Skitagen geht, dann geben Sie mir bitte den nächstmöglichen Termin.“
Die Ärztin schlägt ein großes Buch auf, in dem alle OPs eingetragen sind, fährt mit dem Finger die Spalten entlang und schlägt dann einen Tag vor.
Ich schreibe ihn mir auf, frage sie alles, was ich wissen möchte.
Als sie alles beantwortet hat, schaut sie mich an und meint: Sie können aber schon weinen, wir können damit umgehen.“
Ich schaue sie verwirrt an. Was will sie von mir? Mir ist nicht nach weinen.
Der Boden ist noch unter meinen Füßen. Ich habe gerade nur die Bestätigung dessen bekommen, was ich seit Wochen ahne.
Ich bekomme die Überweisung zur OP-Freigabe und für die Blutabnahme und die Aufnahmemappe.
Ich verlasse mit einer Menge an Papierkram das Besprechungszimmer, am Gang sehen mich die anderen wartenden Frauen neugierig an.
Ich begebe mich zur Blutabnahme, dann weiter zur OP-Freigabe.
Aus dem Spital, mit all den anderen Menschen um mich, möchte ich niemanden anrufen, um zu sagen, dass ich Krebs habe. Das muss keiner der dort Sitzenden wissen.
Als alle Untersuchungen abgeschlossen sind, verlasse ich das Spital, sage in der Arbeit Bescheid, dass ich nicht kommen werde, fahre zum Supermarkt. Erst dort rufe ich im Auto sitzend meine Mutter an und sage ihr, was los ist.
Meiner Jüngsten sage ich zu Hause, als sie von der Schule kommt, dass ich in einer guten Woche operiert werde. Der Tag spürt sich nicht anders an als sonst: Nur, dass ich unter der Woche zu Hause und nicht in der Arbeit bin.
Mein Sohn meldet sich nicht mehr, ich gehe schlafen, vermute, dass ich einen unruhigen, leichten Schlaf haben werde.
Aber ich schlafe tief und fest und bekomme deshalb auch nicht mit, dass mein Sohn mir knapp nach Mitternacht eine SMS schickt, in der er die Geburt meines 1. Enkelkindes verkündet.
Ich wache vom Weckerläuten auf, blicke aufs Handy und sehe die Nachricht.

Und erst jetzt: Jetzt weine ich.
Und ich sage zu mir selbst: Ich möchte dieses Kind großwerden sehen.

Morgen feiert dieses Kind seinen 6. Geburtstag. 🙂

 

 

259. Text_Lebenszeichen

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Ich lebe noch.
Und das Leben ist nach wie vor schön und interessant und bietet viele Begegnungen und Erfahrungen und viel Liebe und Harmonie und Lachen und Fröhlichkeit und und und.

Kleintochter orientiert sich neu:
Das gewählte Studium ist doch nicht das, was sie sich darunter vorgestellt hat.
Nun ist sie prallel am Neuorientieren.
Sie hat nun Infoveranstaltungen zu anderen Ausbildungen besucht und dort erfahren, dass es vier- bis zehnmal so viele Bewerber als Stellen gibt.
Es gibt jeweils ein Aufnahmeverfahren im Frühjahr und wenn man unter den Glücklichen ist, die tatsächlich einen Platz ergattert haben, dann beginnt das Studium kommenden Herbst.
Ich unterstütze sie, dass sie das für sie Richtige findet, das ihren Stärken und Interessen am nächsten kommt, sie zufrieden macht. Sie schafft sich jetzt ihr Basis. Und da finde ich es wichtig, dass sie sich alles, was sie interessiert, bei Infoveranstaltungen ansieht,  Erfahrungsberichte einholt und auch reflektiert, welchen beruflichen Weg sie sich vorstellt. Was ihr wichtig ist.
Sie intensiviert nun auch ihre Arbeitseinsätze, da sie genug Geld sparen möchte, um sich kommendes Jahr den Führerschein leisten zu können … und dann ist da noch ihre Zuneigung zu einem griechischen jungen Mann.
Nachdem sie ihn im Spetember besucht hatte, kam er letzte Woche in unsere Heimatstadt, wohnte bei uns und wir haben sehr interessante Gespräche gehabt.
Für Jänner haben die beiden Turteltauben mal besprochen, dass sie gemeinsam Skifahren gehen wollen.

Herzensglück und ich haben wieder einige schöne Unternehmungen gemacht, stellen immer wieder fest, wie gleich wir denken. Ich stelle immer wieder verwundert fest, wie einfach und harmonisch das Leben verlaufen kann. Ich bin, wie ich bin und ich werde so geliebt, wie ich bin. So viel Gleichklang, gleiche Interessen. Noch immer passiert es uns, dass wir zeitgleich dasselbe aussprechen.
Es ist so wohltuend und befreit mich, dass nicht jedes Wort von mir seziert und auf die Goldwaage gelegt wird, es wird nicht „besprochen“, wo ich mich besser abgrenzen muss etc. Zu meiner Familie haben wir ein normales Verhältnis, grenzen uns ab, wo wir nicht vereinnahmt werden wollen, genießen aber z. B. auch gemeinsame Abendessen mit meinem Bruder und seiner Frau oder mal ein Schlückchen Wein bei meinen Eltern bei einem Spontanbesuch.
Dieser Einklang zwischen uns bedeutet aber nicht, dass wir in einer tranigen Harmoniesucht versinken. Es tut sich gewaltig etwas. Immer wieder reflektiere ich und komme zu neuen Erkenntnissen. Ich erkenne meine Muster, ärgere mich auch manchmal, wenn ich wieder einmal in so ein unnötiges Muster reingekippt bin und ich es mir selber schwerer mache, als ich müsste. Wenn ich Gedanken habe, die jeder Grundlage entbehren.
Wir genießen auch die ruhigen Wochenenden, wie das vergangene: Samstag waren wir bei einer „Ausstellung“, die sich mit dem Thema Reisen beschäftigte, danach am nahegelegenen Weihnachtsmarkt auf einen Glühwein und anschließend haben wir es uns zu Hause gemütlich gemacht.
Sonntag wollten wir einen ausgiebigen Spaziergang unternehmen, da es aber den dreiviertel Tag heftig geregnet hat, ließen wir es bleiben und haben stattdessen miteinander gekocht und auf dem Sofa gefaulenzt mit lesen und 2 kurze Dokumentationen im Fernsehen angesehen.

In gut 2 Wochen fliegen wir nach London, worauf wir uns schon sehr freuen.
Und die Planung für unsere Reise nach Vietnam nimmt auch Gestalt an.
Es macht sehr viel Freude, gemeinsam die Köpfe über dem Reiseführer oder der Karte des Landes zusammenzustecken und zu planen, was wir alles sehen möchten. Vorfreude zu empfinden, was wir dort alles erleben werden, welche Begegnungen es geben wird.

Ihr seht also, ich lebe noch und ich liebe das Leben!

Eure herzensfrohe
Patentsocke